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Barockkirchen
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Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt*

7152 Sagogn
Gehört zu den besterhaltenen vollständig ausgezierten Kirchenbauten des frühen Hochbarocks nördlich der Alpen.

Grabungen 1987 erbrachten den Nachweis einer Vorgängerkirche aus dem 5./6. Jahrhundert: ein rechteckiger Saalbau mit nicht eingezogener halbrunder Apsis, Priesterbank und seitlichen Annexen. Dieser spätantike Gründungsbau entsprach in seiner Grundfläche derjenigen des heutigen Baus und war damit grösser als die frühmittelalterliche Kathedrale von Chur. Wesentliche Renovationsphasen in karolingischer (8./9.), romanischer (12./13.) und spätgotischer (M. 15. Jh.) Zeit. Die heute bestehende Kirche geht zurück auf einen vollständigen Umbau von 1634–40 durch einen Tessiner oder Misoxer Baumeister; Renovation 1899; Restauration aussen 1972, innen 1987–90.

Hochbarocke Anlage mit Querhaus und Kapellen östlich an den Kreuzarmen, vor dem nördlichen schmales, tonnengewölbtes Beinhaus (ehemalige Vorhalle). Zwischen Schiff und nördlichem Querhaus mächtiger gotischer Turm mit Spitzbogenfriesen erbaut 1449 (eingeritzte Jahreszahl und Meisterzeichen an der Westseite), gezimmerte Glockenstube wohl 16./17. Jahrhundert, darüber gebrochener Achteckhelm. Südlich des Chors kreuzgewölbte Sakristei 1449, südlich des Langhauses Marienkapelle, hervorgegangen 1893 aus dem Umbau des Beinhauses.

Das Schiff und die Querräume sind einzig über den drei Eingängen durch Thermenfenster belichtet. Wandgliederung durch Pilaster, über denen das reichgeschmückte Gebälk ein Tonnengewölbe trägt; Kreuzgewölbe im Chor.

Qualitätvolle Decken- und Wandmalereien 1639 von Giovanni Battista Macholino: im Schiffsgewölbe neun Bilder der Passion und Himmelfahrt Christi in Stuckrahmen; an den Wänden Beweinung mit Wappen Montalta, Christus in der Vorhölle mit Inschrift und Wappen des Kanonikus Christian Cabalzar, heilige Familie und heiliger Martin sowie, von der später eingebauten Empore überschnitten, Paradies, Hölle, Eucharistiewunder des heiligen Antonius und Tod des heiligen Franziskus; im nördlichen Querhaus Leben des heiligen Karl Borromäus, im südlichen Rosenkranzgeheimnisse, Gastmahl des Herodes sowie Enthauptung Johannes d.T., hier auch Fragmente gotischer Malereien; in der Vierung Immakulata, Taufe im Jordan und Versuchung; im Chor Evangelisten, Heilige und Jugend Christi. Unter der Empore an der südlichen Schiffswand Fragment zweier hochgotischer Heiligenfiguren um 1370–90.

Choraltar und Stuckaltäre in den Kapellen der Querarme um 1640; seitlich des Chorbogens reichgeschnitzte Rokoko-Altäre 1757 von Placidus Schmid. Spätgotische Sakramentsnische mit Eisentürchen um 1500. Polygonale Kanzel 1626; im nördlichen Querhaus spätgotischer Taufstein des 15. Jahrhunderts mit hölzernem Aufsatz des 17. Jahrhunderts; im südlichen Querhaus Familiengestühl um 1670, in der reich geschnitzten Bekrönung Wappen von Mont und Castelli. Bankwangen 18. Jahrhundert. Gemälde über den Querhauseingängen 17. Jahrhundert. Orgel 1990.
(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)

Literatur
Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Sagogn, Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 610, Bern 1997.