Baukultur
Die alpine Kulturlandschaft Graubündens prägen Burgen und Herrschaftshäuser, mittelalterliche Kirchen und Engadiner Bauernhäuser, aber auch herausragende Beispiele jüngerer Architektur – von Peter Zumthors Therme in Vals bis zu Gion Caminadas Bauten im Lugnez. Die Informationen zu den einzelnen Bauwerken stammen von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) und von Hochparterre – Zeitschrift für Architektur und Design.![]()
Gegenwartsarchitektur![]()
Graubünden ist bekannt als Land der Berge und des Tourismus, aber auch als Land der Burgen und Herrschaftshäuser, der mittelalterlichen Kirchen und Malereien und der Engadiner Bauernhäuser. Vor dem Hintergrund dieser reichen Tradition ist Graubünden in den letzten 30 Jahren still und langsam zu einer der wichtigen Regionen zeitgenössischer Architektur in der Schweiz geworden.
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Frühchristliche Zeit![]()
Das heutige Graubünden ist flächenmässig Teil des weit darüber hinausgreifenden Bistums Chur, das zu den frühen Bistümern nördlich der Alpen gehört. Die lange kirchliche Kontinuität äussert sich in Überresten von Bauten und in Kleinkunstwerken, die bis ins 5. Jahrhundert zurückreichen.
Chur, um 300 n. Chr. zur Hauptstadt der römischen Provinz Raetia Prima erhoben, ist 451
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Karolingischer Kirchenbau![]()
Bis zum Anschluss des Bistums Chur an das Erzbistum Mainz im Jahre 843 war das churrätische Gebiet kirchlich und kulturell nach Süden ausgerichtet und künstlerisch noch ganz von der Antike geprägt. Grosse, hervorragend erhaltene Werke der Zeit um 800 sind das heutige UNESCO-Weltkulturgut Kloster Müstair und die ehemalige Klosterkirche in Mistail unterhalb von Alvaschein.
D
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Burgen und Türme![]()
Die Epoche zwischen 1000 und 1300 ist die hohe Zeit der Adelsburgen, die Zentren kleiner Herrschaftsgebiete und Güterverbände waren. Im Zuge des spätmittelalterlichen „Burgensterbens“ überliess man die meisten Anlagen dem Zerfall, einige wurden später zu Schlössern umgewandelt.
Die ältesten im aufgehenden Mauerwerk erhalten Zeugen profaner Baukultur in Graubünden gehören d
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Romanischer Kirchenbau![]()
Mit dem allgemeinen Bevölkerungszuwachs und dem damit verbundenen Landesausbau nimmt im Hochmittelalter auch die Kirchendichte zu: Kleinere Kirchensprengel spalten sich von den grossräumigen Landpfarreien frühmittelalterlichen Ursprungs ab und lassen eine Vielzahl neuer Sakralbauten entstehen. Zentrale Bauunternehmung der romanischen Epoche ist der Neubau des Churer Doms. Ber
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Waltensburger Meister![]()
Mit dem Waltensburger Meister lässt sich erstmals in Graubünden ein Künstlerindividuum fassen – wenn auch nur über einen Notnamen. Ihm und seiner Werkstatt werden im nördlichen Teil des Kantons rund 20, vornehmlich kirchliche Wandmalereien aus der Zeit zwischen 1320 und 1350 zugeschrieben. Sie zählen zu den schönsten Zeugnissen höfischer Kultur in der Schweiz.
Im Mittelalt
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Spätgotik![]()
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfasste ein Bauboom Europa, der in Graubünden neue Kirchen und Kapellen oder zumindest neue Chorbauten brachte. Damit hängt auch ein beachtlicher Import von Flügelaltären aus süddeutschen Werkstätten zusammen, die in katholischen Gegenden des Kantons vielfach auch heute noch anzutreffen sind.
Vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zur
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Hans Ardüser![]()
Der Lehrer, Dichter, Chronist und Wandermaler Hans Ardüser (1557 – nach 1617) ist so etwas wie ein Prototyp des ländlichen Uomo universale, der in den Wintermonaten der Zeit um 1600 «vil 100» Bücher las und daraus Bilder kopierte. Die Motive setzte er in Wandmalereien von Privathäusern und Kirchen um, die sowohl durch künstlerische Unbeholfenheit als auch durch Spontaneität f
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Engadinerhaus![]()
Dem Engadinerhaus kommt innerhalb der alpinen Hauslandschaft eine besondere, gewissermassen ikonenhafte Bedeutung zu. Der im Laufe des 15./16. Jahrhunderts sich entwickelnde Typus wurde im Engadin und in einigen angrenzenden Tälern bis ins späte 18. Jahrhundert gebaut und macht die geradezu städtisch anmutende Wirkung der betroffenen Dörfer aus.
Noch zu Beginn des 20. Jahr
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Barockkirchen![]()
Nach den Unsicherheiten der Reformation erlebte der katholische Sakralbau im 17. Jahrhundert einen ähnlichen Aufschwung wie zur Zeit der Spätgotik. Die seinerzeit errichteten hochbarocken Kirchen standen mit ihrem noch nie dagewesenen Prunk im Dienste der Gegenreformation. Die neue Architektur fand aber auch an einigen protestantischen Orten Eingang.
Mit dem Aufkommen der
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Herrschaftshäuser und Villen![]()
Der regionale Zusammenhalt hatte seit dem ausgehenden Mittelalter in Graubünden unterschiedliche Hauslandschaften geformt. Das Bündner Herrschaftshaus entwickelt sich im 16./17. Jahrhundert ausgehend von den regions- und talspezifischen Bauernhausformen, vermag aber allmählich zu einer eigenständigen Form zu finden. Als Antwort des Bürgertums auf den Adel entwickelte sich im
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Strassen und Brücken![]()
Der Bau von Wegen und Strassen ist eine der ältesten zivilisatorischen Aufgaben und war in Gebirgsgegenden stets mit grossen Anstrengungen verbunden. Die schwierige Topografie führte zu Aufsehen erregenden Leistungen, im Mittelalter und im 18. Jahrhundert etwa mit dem Ausbau der Viamala. Grosse Werke des frühen 19. Jahrhunderts waren die Fahrstrassen für den Transitverkehr vo
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Gast- und Kurhäuser, Hotels![]()
Entwicklungsgeschichtlich sind die heutigen Gasthäuser von mittelalterlichen Tavernen, Herbergen und Hospize abzuleiten. Architektonisch erreichte die Bauaufgabe nach 1860 mit dem aufkommenden Tourismus eine neue Qualität. Die Kurhäuser von Le Prese, Bad Tarasp und St. Moritz Bad wurden Vorläufer der mächtigen Hotelbauten der Belle Epoque vor allem im Engadin, in Davos und in
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Siedlungsbau![]()
Städte, Dörfer und Weiler stellt man sich in Graubünden als über Jahrhunderte gewachsene Strukturen vor. Einen gewissen Planungscharakter hatten die Siedlungsvorhaben der im 13./14. Jahrhundert eingewanderten Walser. Feuersbrünste und Naturkatastrophen des 19. Jahrhunderts riefen im ganzen Kanton nach einem systematischen Wiederauf- und Neubau von Dörfern und Dorfteilen. Auf
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Plätze, Gärten und Parks![]()
Die Plätze der alten Bündner Dörfer sind meistens einfache, durch Brunnen ausgezeichnete Erweiterungen von Wegen und Strassen oder nicht überbaute Grundstücke. Bewusst geplante Plätze findet man am ehesten in urbaneren, Parkanlagen auch in touristischen Siedlungen. Von grosser Bedeutung sind die parkartig gestalteten Friedhöfe und die privaten Gärten. Haus und Garten bilden e
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Rhätische Bahn![]()
Die 1890 eröffnete Eisenbahnlinie von Landquart nach Davos wurde zum Ausgangspunkt eines der grössten Schmalspurnetze der Welt, das verschiedene Haupttäler Graubündens erschliesst. Spektakulär sind Linienführung, Viadukte und Kehrtunnels der Albulabahn, die zusammen mit der Berninabahn eine transalpine Verbindung schafft. Unter den Bahnhofbauten tritt architekturgeschichtlich
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Regionalismus![]()
Die Wiederentdeckung des Sgraffito und des Engadinerhauses vom späten 19. Jahrhundert an kündet von einem neuerwachten Interesse an der lokalen und regionalen Architektur. 1905 entstand die Bündnerische Vereinigung für Heimatschutz, die eine heimatliche Bauweise propagierte und einflussreiche Architekten um sich scharte. Ein freierer Umgang mit Vorbildern der Umgebung ist im
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Kraftwerkbauten![]()
Erstes grosses Wasserkraftwerk Graubündens ist jenes von Campocologno der Kraftwerke Brusio AG, das 1907 den Betrieb aufnahm. Die offen verlegten Druckleitungen von Campocologno, aber auch jene der Zentrale Küblis der AG Bündner Kraftwerke (1922) griffen massiv ins Landschaftsbild ein. Frühe Versuche, die bei Stauseen unvermeidlichen Dämme mit Bruchsteinen zu verkleiden oder
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Moderne![]()
Unter dem Begriff der Moderne werden hier verschiedene Strömungen zusammengefasst, die ihren Ursprung mehr oder weniger eng im Rationalismus und Funktionalismus der 1920er und 1930er Jahre haben. Das sogenannte Neue Bauen jener Zeit war Avantgarde. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde seine vereinfachte Formensprache zum Allgemeingut – vielfach mit beachtlichen Leistun
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Kleinarchitektur![]()
Kleinbauten sind so etwas wie die Kammermusik der Architektur. Bei ihnen ist alles auf das Wesentliche reduziert, vielfach erscheinen sie wie Modelle für Grösseres. Diskrete Akzente setzen in ihrer Umgebung unter anderem Brunnen, Denkmäler, Pavillons, Gartenhäuser, Wingerthäuser und Torbauten.
Als Kleinarchitektur können bereits Ausstattungselemente in Kirchen wie Taufstei
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Übrige Bauten und Werke![]()
Die hier angeführten Rubriken vermögen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem baulichen und künstlerischen Ganzen zu geben. Eigens hinzuweisen wäre noch auf Kirchenbauten weiterer Epochen, auf Schulhäuser, Rathäuser, Gewerbe- und Industriebauten sowie auf Ausstattungsselemente wie Täfer, Wandmalereien und Skulpturen.
Bei der Auswahl der Rubriken wurde darauf geachtet, eine m
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