Graubünden - Baukultur

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Baukultur

Einstiegsbild zur Baukultur

Die alpine Kulturlandschaft Graubündens prägen Burgen und Herrschaftshäuser, mittelalterliche Kirchen und Engadiner Bauernhäuser, aber auch herausragende Beispiele jüngerer Architektur – von Peter Zumthors Therme in Vals bis zu Gion Caminadas Bauten im Lugnez. Die Texte stammen aus dem "Kunstführer durch Graubünden" von Leza Dosch und Ludmila Seifert-Uherkovich, hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. und von Hochparterre – Zeitschrift für Architektur und Design.

Gegenwartsarchitektur

Einstiegsbild Gegenwartsarchitektur

Graubünden ist bekannt als Land der Berge und des Tourismus, aber auch als Land der Burgen und Herrschaftshäuser, der mittelalterlichen Kirchen und Malereien und der Engadiner Bauernhäuser. Vor dem Hintergrund dieser reichen Tradition ist Graubünden in den letzten 30 Jahren still und langsam zu ...

Graubünden ist bekannt als Land der Berge und des Tourismus, aber auch als Land der Burgen und Herrschaftshäuser, der mittelalterlichen Kirchen und Malereien und der Engadiner Bauernhäuser. Vor dem Hintergrund dieser reichen Tradition ist Graubünden in den letzten 30 Jahren still und langsam zu einer der wichtigen Regionen zeitgenössischer Architektur in der Schweiz geworden. Wir führen Sie hier zu exemplarischen Beispielen der jüngeren Baukultur Graubündens. Ihre Vielfalt, Schönheit und Güte hat fünf Gründe:

1. Die dramatische Landschaft, die Geschichte und die Vielfalt des Terrains. Bauen hat im Kanton Graubünden etwas Archaisches und Metaphysisches: «Ich bin der Ort.» sagt der Bau. Trotz aller Wunden, Tränen und tagtäglichen Attacken des unbedachten Bauens gibt es im Kanton intakte Ortsbilder, behutsam ergänzt und erweitert. Die Orte hinter diesen Bildern sind keine Museen, sondern behutsam erweiterte Räume fürs Leben.

2. Graubünden liebt Geschichte und Raumgeschichte. Diese Liebe sucht Ausdruck. Doch Achtung – Ortsbezüge in Ehren, Nähe kann der Weitsicht schaden. Tradition und Ortsblick allein genügen nicht. Gute Architekten orientieren sich weltläufig. Sie sind Teil einer internationalen technischen und ästhetischen Entwicklung.

3. Ein kleingewerblich organisiertes Baugewerbe verfügt über ein hohes Repertoire an Können und Sorgfalt. Jeder Architekt kennt einen Baumeister, einen Schreiner, einen Plättlileger, einen Ofenbauer, einen Gipser, für den er die Hand ins Feuer legt. Die Qualität der Fertigung hat einen angemessenen Preis und einen hohen Stand. Bauen können aber ist unabdingbar für gutes Bauen.

4. Die neuere Architektur aus Graubünden ist auch im Kanton ein Thema der kulturellen Debatte. Dafür sorgen Vereine wie der Bündner Heimatschutz, die Printmedien oder die Televisiun Rumantscha. Das Kunstmuseum Chur und vor allem das Gelbe Haus in Flims widmen der Architektur bemerkenswerte Ausstellungen.

5. Der Kanton und die Gemeinden spielen als guter Bauherr eine vorbildliche Rolle. Die kantonale Denkmalpflege ist das wandernde Gewissen für den sorgfältigen Umgang mit den Beständen. Und für das Neue ist schliesslich der Architekturwettbewerb entscheidend. Weitsichtig gefördert hat er den meisten der Architekten von Rang und Namen im Kanton ermöglicht, ein Büro zu gründen. Von Bearth & Deplazes, über Jüngling & Hagmann bis zu Richard Brosi, Robert Obrist und Peter Zumthor haben alle wichtigen Ateliers im Kanton bedeutende Wettbewerbe gewonnen.
Auch private Bauherrschaften sorgen selbstverständlich für Perlen. Einiges lernen kann allerdings noch die wichtigste Industrie des Kantons, der Tourismus. Es erstaunt, wie langsam sich Touristiker um den ökonomischen Wert von Baukultur kümmern. Dass gute Architektur dem Tourismus viel bringen kann zeigt die Therme von Vals. Nie in seiner Geschichte haben so viele Gäste Vals besucht.

Unabdingbar aber bleibt: Hingehen, Landschaften, Räume und Stimmungen wahrnehmen, Geschichten vermuten, sich an Details 1:1 freuen.

(Köbi Gantenbein, Chefredaktor Hochparterre, Zürich/Malans)

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Frühchristliche Zeit

Einstiegsbild Frühchristliche Zeit

Das heutige Graubünden ist flächenmässig Teil des weit darüber hinausgreifenden Bistums Chur, das zu den frühen Bistümern nördlich der Alpen gehört. Die lange kirchliche Kontinuität äussert sich in Überresten von Bauten und in Kleinkunstwerken, die bis ins 5. Jahrhundert zurückreichen.

Das heutige Graubünden ist flächenmässig Teil des weit darüber hinausgreifenden Bistums Chur, das zu den frühen Bistümern nördlich der Alpen gehört. Die lange kirchliche Kontinuität äussert sich in Überresten von Bauten und in Kleinkunstwerken, die bis ins 5. Jahrhundert zurückreichen.

Chur, um 300 n. Chr. zur Hauptstadt der römischen Provinz Raetia Prima erhoben, ist 451 urkundlich als Bischofssitz bezeugt, doch dürften die Anfänge des Christentums im heutigen Graubünden schon um einiges früher anzusetzen, das Bistum Chur bereits im ausgehenden 4. Jahrhundert gegründet worden sein. Aus dieser frühchristlichen Zeit ist in erstaunlicher Vollständigkeit ein Bau überliefert, der als ältestes im aufgehenden Mauerwerk erhaltenes Baudenkmal Graubündens und als bedeutendstes Monument seiner Art nördlich der Alpen anzusprechen ist: Jene tonnengewölbte Grabkammer im Hang nordöstlich des Churer Kathedralbezirks, für deren Entstehung die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. angenommen wird und in der man eine frühe Begräbnisstätte der Churer Bischöfe vermutet. Um 500 wurde über ihr eine dem Hl. Stephan geweihte Kirche errichtet. Diese ist, wie die übrigen frühchristlich-spätantiken und auch die christlichen Kultbauten der Merowingerzeit, nur noch im Grundriss nachgewiesen.

Bauliche Zeugen der ersten Christianisierungphase in Graubünden liessen sich auch in der Churer Kathedrale, daneben am Vorderrhein (Sagogn und Trun), in Bonaduz und auf Hohenrätien, in Mesocco, Tiefencastel, im Schams (Zillis) und im Prättigau (Schiers) nachweisen – die punktuellen archäologischen Funde dokumentieren die Ausbreitung des Christentums in den hauptsächlichen Siedlungsräumen des Bistums im Laufe des 5./6. Jahrhunderts.

Es handelt sich bei diesen ersten Kirchen Graubündens um schlichte Saalbauten mit oder ohne Apsis, letztere entweder eingezogen oder unmittelbar an die Langhausmauern anschliessend; einige von ihnen werden von Annexbauten flankiert. Wenn sich auch bestimmte Vorbilder nur selten ablesen lassen, so dürften die Impulse aus südlicher (Oberitalien) und südöstlicher (Balkan) Richtung gekommen sein. Besonderer Erwähnung bedarf die im übrigen Gebiet der Schweiz nicht vorkommende Einrichtung der konzentrisch im Halbkreis der Apsis liegenden, freistehenden Priesterbank, wie sie für die Kirche St. Stephan in Chur nachgewiesen und auch für die erste Kirche von Sagogn anzunehmen ist, und die wohl auf Modelle im adriatischen Kulturgebiet zurückgreift, wie auch das kürzlich ausgegrabene Baptisterium mit oktogonalem Taufbecken innerhalb der Burganlage „Hohenrätien“ ob Sils i. D., das zu den frühesten seiner Art gehört und auf Verbindungen zum oberitalienischen Raum verweist.

Zu den archäologisch-monumentalen Funden treten kunsthandwerkliche Objekte als Zeugnisse der frühen Christianisierung Graubündens, so ein zum Reliquienbehälter umfunktioniertes elfenbeinernes Arzneikästchen vom Ende des 4. Jahrhunderts oder ein wenig jüngeres Reliqienkästchen aus teilvergoldetem Silber (beide heute im Churer Domschatz). (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: KAISER REINHOLD: ‚Das Frühmittelalter (Ende 5. bis Mitte 10. Jahrhundert)’, in: Handbuch der Bündner Geschichte, Bd. 1 (Frühzeit bis Mittelalter), hrsg. vom Verein für Bündner Kulturforschung, Chur 2000, S. 99-137, bes. S. 109-111.
POESCHEL ERWIN: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden (Die Kunstdenkmäler der Schweiz), hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bd. 1, Basel 1937, S. 14-17.
SENNHAUSER HANS RUDOLF (Hrsg.): Frühe Kirchen im östlichen Alpengebiet. Von der Spätantike bis in ottonische Zeit, 2 Bde., München 2003.
SULSER WALTHER, CLAUSSEN HILDE: Sankt Stephan in Chur. Frühchristliche Grabkammer und Friedhofskirche (Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege an der ETH Zürich 1), Zürich 1978.

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Karolingischer Kirchenbau

Einstiegsbild Karolingischer Kirchenbau

Bis zum Anschluss des Bistums Chur an das Erzbistum Mainz im Jahre 843 war das churrätische Gebiet kirchlich und kulturell nach Süden ausgerichtet und künstlerisch noch ganz von der Antike geprägt. Grosse, hervorragend erhaltene Werke der Zeit um 800 sind das heutige UNESCO-Weltkulturgut Kloster...

Bis zum Anschluss des Bistums Chur an das Erzbistum Mainz im Jahre 843 war das churrätische Gebiet kirchlich und kulturell nach Süden ausgerichtet und künstlerisch noch ganz von der Antike geprägt. Grosse, hervorragend erhaltene Werke der Zeit um 800 sind das heutige UNESCO-Weltkulturgut Kloster Müstair und die ehemalige Klosterkirche in Mistail unterhalb von Alvaschein.

Die karolingische Epoche hat in Graubünden kirchliche Denkmäler von einmaligem Rang hinterlassen, etwa die auf mittelmeerischen und vorderasiatischen Vorbildern basierende Dreikonchenanlage der Heiligkreuzkapelle in Müstair, die in römischer Friedhofsarchitektur wurzelnde Rotunde von San Lucio in San Vittore, die tonnengewölbte Ringkrypta in der Kirche St. Luzi, Chur, die älteste ihrer Art in der Schweiz, oder die bienenkorbförmige Plaziduskrypta in der Klosteranlage von Disentis.

Keine andere Bauform aber prägt heute die Vorstellung von der sakralen Architektur Graubündens zur Regierungszeit Karls des Grossen und seiner Nachfolger mehr als der so genannte Dreiapsidensaal: ein ungegliederter flachgedeckter Rechteckraum, der im Osten durch drei hufeisenförmige, mit einer Halbkuppel überwölbte Räume abgeschlossen wird. Das Besondere dieser Lösung ist nicht das Nebeneinander dreier Apsiden, sondern der Umstand, dass deren Dreizahl keine Dreiteilung des Schiffs entspricht. Entsprechend disponierte Bauten lassen sich aus frühchristlicher Zeit im Orient feststellen wie auch an der oberen Adria, von wo der Typus im ausgehenden 8. Jahrhundert nach Churrätien importiert worden sein mag.

In einzigartig authentischer Weise hat sich eine karolingische Dreiapsidenanlage in der ehemaligen Klosterkirche St. Peter in Mistail erhalten, aber auch die Klosterkirche St. Johann in Müstair vermag die Schönheit dieser Bauform zu vermitteln, selbst wenn dort der ursprüngliche Raumeindruck durch die spätgotische Einwölbung des Schiffs verändert worden ist. Ansonsten konnte der Typus in einer auffällig einheitlichen Prägung an verschiedenen Orten im Kanton archäologisch erfasst werden, so in Chur, Tumegl/Tomils, Zillis, Pleif bei Vella, Sagogn, Disentis und Ramosch.

Der Dreiapsidensaal ist, auch wenn er nirgends sonst in dieser Dichte anzutreffen ist, nicht als Allgemeintypus der Bündner Kirchen jener kulturellen Blütezeit zu betrachten; vielmehr scheint er Sakralbauten von besonderem Ansehen wie Kloster- und Pfarrkirchen vorbehalten gewesen zu sein. Für die Mehrzahl der damals entstehenden Gotteshäuser sind bescheidenere Bauten anzunehmen, die sich an die seit der Spätantike gängigen Grundrisse halten: Säle mit oder ohne Apsis, eingezogen oder nicht und solche mit Apsiden im Mauerblock. Einen Eindruck vom sakralen Raumschmuck der Zeit um 800 vermag noch die Klosterkirche Müstair zu vermitteln, wo ein über alle Wände sich erstreckender karolingischer Freskenzyklus grossflächig erhalten geblieben ist. Hinweise auf eine aufwändige Innenausstattung zumindest der prestigereichsten Kirchenbauten der Karolingerzeit geben zudem die in üppiger Zahl aufgefundenen Stuckfragmente von Disentis und die marmornen Flechtwerkplatten in der Kathedrale von Chur und der Kirche von Müstair. (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: GOLL-GASSMANN JÜRG, MATTHIAS EXNER, SUSANNE HIRSCH: Müstair: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Klosterkirche. UNESCO-Welterbe, Zürich 2007.
Kunstgeschichtliches Seminar Universität Zürich: St. Peter Mistail GR (Schweizerische Kunstführer), hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1997 (4. Aufl.).
POESCHEL ERWIN: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden (Die Kunstdenkmäler der Schweiz), hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bd. 1, Basel 1937, S. 19-34.

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Burgen und Türme

Einstiegsbild Burgen und Türme

Die Epoche zwischen 1000 und 1300 ist die hohe Zeit der Adelsburgen, die Zentren kleiner Herrschaftsgebiete und Güterverbände waren. Im Zuge des spätmittelalterlichen „Burgensterbens“ überliess man die meisten Anlagen dem Zerfall, einige wurden später zu Schlössern umgewandelt.

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Die Epoche zwischen 1000 und 1300 ist die hohe Zeit der Adelsburgen, die Zentren kleiner Herrschaftsgebiete und Güterverbände waren. Im Zuge des spätmittelalterlichen „Burgensterbens“ überliess man die meisten Anlagen dem Zerfall, einige wurden später zu Schlössern umgewandelt.

Die ältesten im aufgehenden Mauerwerk erhalten Zeugen profaner Baukultur in Graubünden gehören der Wehrarchitektur an. Mit dem um 957 erbauten Plantaturm des Klosters Müstair besitzt unsere Region den frühsten bekannten verteidigungsfähigen Wohnsitz der Schweiz. Prominenter aber sind die zahlreichen Burgen, die - mit sicherem Instinkt für die Ortswahl oft auf Hügelkuppen, Bergvorsprünge und Felsköpfe abseits der dörflichen Siedlungen gesetzt und von weither sichtbar - die Bündner Landschaft auch in ihrem heutigen, ruinösen Zustand entscheidend prägen. Als Mittelpunkte herrschaftlicher Güterkomplexe widerspiegeln sie in ihrer Vielzahl die schwierigen Machtverhältnisse im feudalisierten Rätien.

Der Beginn des Bündner Burgenbaus wird ins 11. Jahrhundert angesetzt, seine Hochblüte erlebte er im 12./13. Jahrhundert. Zahlreiche Burgen wurden direkt von den landesherrlichen Machthabern errichtet, namentlich vom Churer Bischof, dem mächtigsten Grund- und Lehensherrn, aber auch von jenen hochadeligen Geschlechtern, die sich vom Bischof zu emanzipieren und eigene, weltliche Landesherrschaften zu etablieren vermocht hatten (Freiherren von Vaz, Rhäzüns, Sax-Misox, Matsch u. a.).

Daneben liessen auch Herren ritterlichen Rangs Burgen bauen, sei es als Vasallen und Dienstleute der Landesherren oder in eigener Regie, zur Markierung ihrer oft bescheidenen Grundherrschaften. Viele Burgen entstanden auf Rodland im Zuge der hochmittelalterlichen Binnenkolonisation zuvor nicht oder kaum besiedelter Gebiete. Der Grossteil des rätischen Burgenbestandes gehört zur Kategorie der mehr auf symbolisch-repräsentativer, denn auf militärischer Ebene wirksamen Kleinburgen, bestehend aus einem turmartigen Hauptbau, umgeben von Wirtschaftsgebäuden und einer wehrhaften Ringmauer.

Umfassendere Anlagen wie etwa die Burg Belfort im Albulatal, die um ihren ummauerten Innenhof Hauptturm, Torturm, Palas und Nebenbauten gruppiert, bilden eher die Ausnahme und sind als landesherrliche Residenzen anzusprechen. Manche Anlagen fallen durch ihre grosse, aber kaum überbaute Innenfläche auf, die von einem Sakralbau beherrscht wird. Bei diesen ins Frühmittelalter zurückreichenden und nach der Jahrtausendwende feudalisierten Kirchenkastellen ist unklar, ob sie als Fluchtburg oder als dauernd besiedeltes administratives Zentrum zu deuten sind.

Die im Spätmittelalter grossmehrheitlich aufgelassenen Burgen sollten sich unter der frühneuzeitlichen Führungsschicht, die sich selbst komfortablere Wohnsitze innerhalb der Dörfer baute, als repräsentative Statussymbole neuer Beliebtheit erfreuen und von den neuen Machthabern vereinzelt zu Schlössern (ohne Herrschaftsfunktionen) ausgebaut werden. Umgenutzt oder in neuere Häuser integriert wurden damals auch die gemauerten Wohntürme, die sich die dörflichen Oberschichten - in deutlicher formaler Abgrenzung zu den sie umgebenden, weitgehend hölzernen bäuerlichen Höfe - seit dem 13. Jahrhundert hatten bauen lassen. (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: CLAVADETSCHER OTTO P., MEYER WERNER: Das Burgenbuch von Graubünden, Zürich und Schwäbisch Hall 1984.
MEYER WERNER: ‚Das Hochmittelalter (10. bis Mitte 14. Jahrhundert)’, in: Handbuch der Bündner Geschichte, Bd. 1 (Frühzeit und Mittelalter), hrsg. vom Verein für Bündner Kulturforschung, Chur 2000, S. 138-193.

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Romanischer Kirchenbau

Einstiegsbild Romanischer Kirchenbau

Mit dem allgemeinen Bevölkerungszuwachs und dem damit verbundenen Landesausbau nimmt im Hochmittelalter auch die Kirchendichte zu: Kleinere Kirchensprengel spalten sich von den grossräumigen Landpfarreien frühmittelalterlichen Ursprungs ab und lassen viele neue Sakralbauten entstehen. Zentrale Ba...

Mit dem allgemeinen Bevölkerungszuwachs und dem damit verbundenen Landesausbau nimmt im Hochmittelalter auch die Kirchendichte zu: Kleinere Kirchensprengel spalten sich von den grossräumigen Landpfarreien frühmittelalterlichen Ursprungs ab und lassen viele neue Sakralbauten entstehen. Zentrale Bauunternehmung der romanischen Epoche ist der Neubau des Churer Doms. Berühmtes romanisches Ausstattungsstück ist die kurz nach 1114 gemalte Bilderdecke in Zillis.

Mit dem zwischen 1151 und 1272 realisierten Neubau der in ihrem Ursprung ins 5. Jahrhundert zurückreichenden Churer Kathedrale entstand im bündnerischen Gebiet erstmals eine dreischiffige Kirchenanlage. Bis dahin war hier auch bei prestigeträchtigen kirchlichen Bauaufgaben an der Tradition des ungegliederten Kultsaales festgehalten worden; die im 11./12. Jahrhundert als zweischiffige Hallenkirche erbaute Kapelle St. Lorenz in Paspels bildete im sakralen Baubestand jener Zeit die grosse Ausnahme. Dem grundrisslichen Vorbild der Kathedrale sollten die romanische Collegiata in S. Vittore und die Klosterkirche in Churwalden folgen. Dem Prinzip der Mehrschiffigkeit war auch der Neubau der Ostpartie von St. Luzi in Chur verpflichtet, wo um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine schweizweit einmalige Lösung mit dreigeteilter Hallenkrypta und ebensolchem Vorchor entstand.

Die wenigen grossen Bauunternehmungen der Spätromanik geben allerdings kein repräsentatives Bild der sakralen Bautätigkeit Graubündens zu jener Zeit. Bestimmt war die romanische Kirchenbauwelle vielmehr durch ein zähes Festhalten an den bekannten Grundformen, dem Rechteckraum mit eingezogenem, häufig apsidial geschlossenem Altarahaus; selbst Bauten ohne Ausscheidung von Schiff und Chor treten noch auf. Die Beharrlichkeit, mit der einmal aufgenommene Anregungen und Tendenzen tradiert wurden, ist durchaus als eine Eigenart des bündnerischen Kunst- und Kulturraums zu charakterisieren.

Die architektonisch letztlich bescheidenen, äusserlich höchstens durch eine Blendbogengliederung geschmückten Sakralbauten gewinnen monumentale Wirkung durch die Wahl der Situation. Mit viel Sinn für die topographischen Gegebenheiten schafften es die wohl einheimischen Baumeister, die kleinen Gotteshäuser durch einen exponierten Standort – dem Rand des Dorfes, einer Erhebung in seiner Mitte oder etwa beherrschenden Geländepunkten - von den übrigen Bauten auszuzeichnen. Akzentuiert wurden sie zudem durch die Glockentürme, wie sie damals im rätischen Raum Einzug hielten.

Bauplastischer Schmuck, wie er in reichem Ausmass am Churer Dom zur Anwendung kam, ist den kleinen romanischen Landkirchen fremd, deren künstlerische Ausstattung sich meist auf Malereien beschränkte. Bedeutende Beispiele hochmittelalterlicher Kirchenausmalung haben sich in den byzantinisch geprägten Wandgemälden der Klosterkirche Müstair und in Sta. Maria oberhalb Pontresina erhalten, Werken von Werkstätten aus dem venezianischen Hinterland, bzw. dem Südtirol. Mit der um 1114 wohl von einem Einheimischen in Anknüpfung an lombardische Vorbilder geschaffenen Bilderdecke in der Kirche St. Martin in Zillis besitzt Graubünden den ältesten mit figürlichen Darstellungen bemalten romanischen Plafond der abendländischen Kunst, der sich annährend vollständig erhalten hat. (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: POESCHEL ERWIN: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden (Die Kunstdenkmäler der Schweiz), hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bd. 1, Basel 1937, S. 35-64.

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Waltensburger Meister

Einstiegsbild Waltensburger Meiser

Mit dem Waltensburger Meister lässt sich erstmals in Graubünden ein Künstlerindividuum fassen – wenn auch nur über einen Notnamen. Ihm und seiner Werkstatt werden im nördlichen Teil des Kantons rund 20, vornehmlich kirchliche Wandmalereien aus der Zeit zwischen 1320 und 1350 zugeschrieben. Si...

Mit dem Waltensburger Meister lässt sich erstmals in Graubünden ein Künstlerindividuum fassen – wenn auch nur über einen Notnamen. Ihm und seiner Werkstatt werden im nördlichen Teil des Kantons rund 20, vornehmlich kirchliche Wandmalereien aus der Zeit zwischen 1320 und 1350 zugeschrieben. Sie zählen zu den schönsten Zeugnissen höfischer Kultur in der Schweiz.

Im Mittelalter dürften die Innenwände jedes bedeutenderen Sakralbaus zumindest im Chorbereich mit Malereien religiösen Inhalts geschmückt gewesen sein. In Werkstätten organisierte und von Ort zu Ort wandernde Handwerker aus dem Norden, dem Süden und dem Osten zeichneten für die Ausmalung der Gotteshäuser verantwortlich. Ein Grossteil der früh- und hochmittelalterlichen Bildwelt ist den Kirchenrenovationen späterer Epochen zum Opfer gefallen.

Ausserordentlich hoch ist in Graubünden aber die Zahl von Wandmalereien des 14. Jahrhunderts – wenn die erhaltenen Beispiele auch nur einen Teil des ursprünglichen Bestandes an hochgotischer Malerei in der Region ausmachen dürften. Darunter nehmen rund 20 Werke, die sich wegen stilistischer und maltechnischer Gemeinsamkeiten zu einer geschlossenen Werkgruppe zusammenfassen lassen, aufgrund ihres Umfangs wie auch der aussergewöhnlichen künstlerischen Qualität eine herausragende Stellung ein. Der hierfür verantwortliche Meister kann mit keiner historisch gesicherten Person identifiziert werden, benannt wird er deshalb nach dem Standort seines bedeutendsten Werks, dem Passionszyklus in der Kirche von Waltensburg.

Das Oeuvre offenbart eine grosse stilistische Nähe zu den Miniaturen der um 1300 in Zürich entstandenen Manessischen Liederhandschrift. Wenn auch die höfische Feinheit jener Buchillustrationen in den Wandbildern des Waltensburgers gemildert ist, so möchte man in diesem doch weniger einen Einheimischen als einen aus dem süddeutschen Raum (Bodenseegebiet, Hoch- und Oberrhein) zugewanderten Künstler vermuten. Möglicherweise wurde er von den Herren von Vaz, der mächtigsten Adelsfamilie Rätiens, ins Alpengebiet geholt, wo er eine eigene Werkstatt gründete. Seine Auftraggeber dürften zu einem Grossteil der geistlichen und ritterlichen Oberschicht angehört haben.

Die in bester Freskotechnik ausgeführten Wandgemälde des Waltensburger Meisters zeichnen sich durch eine grosse Farbintensität aus. Charakteristisch sind seine schlanken Gewandfiguren, die sich durch dunkle Konturen klar vom meist blauen oder mit roten Sternen durchsetzten weissen Hintergrund abheben; mit feinen, aber fest geführten Umrissen sind auch die Details der meist im Dreiviertelprofil gezeigten Gesichter gezeichnet, die mandelförmigen Augen samt Lidfalten und Brauen, die Nasen, die auffallend kleiner Münder und die schmalen Ohrmuscheln, wie auch die aus dem Gesicht gekämmten, in weichen Locken knapp auf die Schultern fallenden Haare. Geschickt vermag der Künstler den adäquaten Ausdruck zu finden sowohl für Bilder, die der Verehrung dienen, wie auch solche, die mehr auf eine mystische Anteilnahme des Betrachters zielen. (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: POESCHEL ERWIN: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden (Die Kunstdenkmäler der Schweiz), hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bd. 1, Basel 1937, S. 72-82.
RAIMANN ALFONS: Gotische Wandmalereien in Graubünden. Die Werke des 14. Jahrhunderts im nördlichen Teil Graubündens und im Engadin, Disentis/Mustér 1983.
Eggenberger Christoph und Dorothee: Malerei des Mittelalters (Ars Helvetica, Bd. V), Disentis 1989, S. 66-79.

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Spätgotik

Einstiegsbild Spätgotik

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfasste ein Bauboom Europa, der in Graubünden neue Kirchen und Kapellen oder zumindest neue Chorbauten brachte. Damit hängt auch ein beachtlicher Import von Flügelaltären aus süddeutschen Werkstätten zusammen, die in katholischen Gegenden des Kanton...

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfasste ein Bauboom Europa, der in Graubünden neue Kirchen und Kapellen oder zumindest neue Chorbauten brachte. Damit hängt auch ein beachtlicher Import von Flügelaltären aus süddeutschen Werkstätten zusammen, die in katholischen Gegenden des Kantons vielfach auch heute noch anzutreffen sind.

Vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts scheint die Bautätigkeit in Graubünden sehr eingeschränkt gewesen zu sein. Unter den wenigen sakralen Bauzeugen jener Zeit stechen die Chöre von Sogn Gieri in Rhäzüns und der beiden Kirchen in Trimmis hervor, da sie sich mit ihren Rippengewölben schon deutlich an gotischen Konstruktionsformeln orientieren, wenn auch in der Massigkeit und urtümlichen Kargheit der Steinmetzarbeiten romanisches Formempfinden deutlich nachhallt.

Vollständig verdrängt werden die romanischen Formen in Graubünden erst zwischen 1450 und 1525, als sich im Rahmen einer markanten Bauwelle ein einschneidender Wandel in der Gestaltung des Sakralraumes vollzieht. Träger dieser regen Bautätigkeit sind die Gemeinden, die im Laufe des Spätmittelalters zu den wichtigsten politischen Akteuren geworden waren, und die nun mit neuen oder in zeitgemässem Stil der Spätgotik umgestalteten Kirchenbauten ihre gegenüber den alten Feudalgeschlechtern und dem Bistum erlangte Autonomie selbstbewusst zum Ausdruck bringen wollten.

Die idealtypische spätgotische Kirche Graubündens setzt sich zusammen aus einem rechteckigen Schiff und einem eingezogenen, polygonal geschlossenen Chor mit geometrisch aufgebauten Rippenkonfigurationen im Gewölbe. Dieser in unzähligen Varianten abgewandelte Typus wurde meist durch österreichische Baumeister und Steinmetze vermittelt. Durch ihre auffallend häufige, angesichts der relativen Armut des Landes erstaunende vollständige Einwölbung nehmen die spätgotischen Sakralbauten Graubündens eine Sonderstellung im Denkmälerbestand der Schweiz ein.

Doch wurde der Gewölbebau nicht überall konsequent durchgeführt, vielerorts erhielt nur der neue Polygonalchor einen derart aufwändigen Abschluss. Im Schiff treffen wir häufig auch auf hölzerne Decken, wie sie allgemein für die früh- und hochmittelalterlichen Kirchen in unserem Gebiet anzunehmen sind – die Einwölbung des Kirchenschiffs, wie sie in Graubünden beim romanischen Bau der Churer Kathedrale eingeführt wurde, bildete lange Zeit die grosse Ausnahme. Neben die traditionellen, flachen Holzplafonds treten nun – der zeittypischen Vorliebe für nach oben geweitete Raumkörper entsprechend – Holzdecken mit halbrundem oder polygonalem Querschnitt.

Die Tradition der Kirchenausmalung bleibt auch in der Spätgotik erhalten; zentrales Ausstattungsstück der Kirchen wird nun aber der – von süddeutschen Werkstätten gelieferte – geschnitzte Flügelaltar, wie er sich in Graubünden bis heute in einer schweizweit einzigartigen Dichte erhalten hat. Der ursprüngliche Bestand ist allerdings stark dezimiert, denn in reformierten Gegenden verschwanden die Retabel schon wenige Jahre nach ihrer Aufstellung und in dem von der gegenreformatorischen Barockisierungswelle betroffenen Raum hatten sie oft «moderneren» Altären zu weichen. (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: BECKERATH ASTRID VON, NAY MARC ANTONI, RUTISHAUSER HANS (Hrsg.): Spätgotische Flügelaltäre in Graubünden und im Fürstentum Liechtenstein, Chur 1998.
NAY MARC ANTONI: ‚Architektur, Plastik und Malerei von der Gotik bis zum Rokoko’, in: Handbuch der Bündner Geschichte, Bd. 2 (Frühe Neuzeit), hrsg. vom Verein für Bündner Kulturforschung, Chur 2000, S. 237-260, bes. 247-249.
POESCHEL ERWIN: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden (Die Kunstdenkmäler der Schweiz), hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bd. 1, Basel 1937, S. 65-148.

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Hans Ardüser

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Der Lehrer, Dichter, Chronist und Wandermaler Hans Ardüser (1557 – nach 1617) ist so etwas wie ein Prototyp des ländlichen Uomo universale, der in den Wintermonaten der Zeit um 1600 «vil 100» Bücher las und daraus Bilder kopierte. Die Motive setzte er in Wandmalereien von Privathäusern und K...

Der Lehrer, Dichter, Chronist und Wandermaler Hans Ardüser (1557 – nach 1617) ist so etwas wie ein Prototyp des ländlichen Uomo universale, der in den Wintermonaten der Zeit um 1600 «vil 100» Bücher las und daraus Bilder kopierte. Die Motive setzte er in Wandmalereien von Privathäusern und Kirchen um, die sowohl durch künstlerische Unbeholfenheit als auch durch Spontaneität faszinieren.

Unter den um 1600 in Graubünden tätigen Malern tritt Hans Ardüser plastisch hervor: zum einen wegen der umfangreichen Werkgruppe, die mit ihm in Verbindung zu bringen ist, nicht zuletzt aber auch aufgrund seiner schriftlichen Hinterlassenschaft, darunter eine Selbstbiographie sowie zwei Chroniken, die den Zeitraum von 1572 bis 1614 umfassen. Ardüsers Aufzeichnungen belegen schlaglichtartig die Lebensbedingungen eines in der Provinz tätigen Künstlers an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert.

1557 als Sohn des späteren Landammanns in Davos geboren, besuchte Ardüser 1570-73 die Lateinschule in Chur. Das 1577 begonnene Prädikantenstudium in Zürich brach er alsbald ab. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Maienfeld liess er sich 1579 für kurze Zeit in Feldkirch bei den Malern des Castelberg-Altars der Klosterkirche Disentis (1572), Moritz und Jörg Frosch unterweisen, um sich danach zwei Sommer lang als Geselle bei Franz Apenzäller zu verdingen, dem einzigen uns heute bekannten Meister jener Zeit in Chur, von dem sich aber kein gesichertes Werk mehr erhalten hat. Sich autodidaktisch weiterbildend wird Ardüser selbständig, lässt sich winters an wechselnden Orten als Schulmeister nieder, während er im Sommer dem Künstlerhandwerk nachgeht: Auf der Suche nach Arbeit nomadisiert er zu Fuss, mit Farben und Malerausrüstung beladen durch Graubünden, um seine Dienste anzupreisen.

Von den über 100 von ihm selbst erwähnten Werken in etwa 45 Dörfern und Talschaften hat sich nur mehr rund ein Fünftel erhalten: mit Ausnahme des 1601 gemalten Altars in der Dorfkirche von Vella allesamt Wandbilder an Fassaden und in Innenräumen von bäuerlichen und aristokratischen Privathäusern wie auch in und an Kirchen beider Konfessionen. Der Abstand der buntfarbigen Ardüser’schen Werke zur europäischen Hochkunst am Übergang von der Renaissance zum Barock ist denkbar gross: Seine ungelenken, in weich bewegten Umrissen gezeichneten Figuren zeugen von seinem Unvermögen, die menschlichen Proportionen korrekt wiederzugeben und auch die Regeln der räumlichen Perspektive scheinen ihm nicht allzu vertraut. Die unbekümmerte Art aber, in der Ardüser in kompilatorischem Eifer die ihm vielfach durch druckgraphische Vorlagen vermittelten Motive – üppiges Ornament, zeitgenössische Kostüme, antike Allegorien, biblische Szenen, exotische Tiere – ins Monumentale überträgt und zuweilen ohne erkennbares Kompositionsprinzip additiv nebeneinander setzt, verleiht seinem Werk eine Frische und Eindringlichkeit, die ihresgleichen sucht. (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: DOSCH LEZA: ‚Ardüser Hans’, in: Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, Bd. 1, hrsg. vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Zürich 1998, S. 39-41.
WYSS ALFRED: ‚Hans Ardüser’, in: Unsere Kunstdenkmäler, XXIV, 1973/3, S. 171-184.
Zinsli Paul: Der Malerpoet Hans Ardüser, Chur 1986.

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Engadinerhaus

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Dem Engadinerhaus kommt innerhalb der alpinen Hauslandschaft eine besondere, gewissermassen ikonenhafte Bedeutung zu. Der im Laufe des 15./16. Jahrhunderts sich entwickelnde Typus wurde im Engadin und in einigen angrenzenden Tälern bis ins späte 18. Jahrhundert gebaut und macht die geradezu städt...

Dem Engadinerhaus kommt innerhalb der alpinen Hauslandschaft eine besondere, gewissermassen ikonenhafte Bedeutung zu. Der im Laufe des 15./16. Jahrhunderts sich entwickelnde Typus wurde im Engadin und in einigen angrenzenden Tälern bis ins späte 18. Jahrhundert gebaut und macht die geradezu städtisch anmutende Wirkung der betroffenen Dörfer aus.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte der Grossteil der Bauten in Graubünden der Gattung „bäuerliche Architektur“ an. Gewissermassen synonym für das Bündner Bauernhaus steht das Engadinerhaus, dies, obwohl seine Verbreitung längst nicht das ganze Kantonsgebiet umfasst. Graubünden zeichnet sich im Gegenteil durch eine überaus vielfältige Hauslandschaft aus. Engadinerhäuser finden sich auf Bündner Gebiet im Bergell, im Albula- und im Münstertal und natürlich im Engadin, wo sie vom 16. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert den alleingültigen Bautypus darstellten.

Das Engadinerhaus, ein grossteils gemauerter Mehrzweckbau, entstand aus dem Zusammenschluss diverser, einst isoliert stehender und nach Funktionen getrennter Elemente eines bäuerlichen Gehöftes. Im Unterschied zu anderen Einhöfen sind hier aber nicht bloss Bauten wie Feuer- und Schlafhaus, Speicher, Stall und Scheune in einem Bauwerk vereint worden, auch Laube und Hof (samt Mistlege) wurden dem Gebäudegrundriss eingegliedert. Diese ins Haus integrierten ehemaligen Aussenbereiche erhielten neben ihrer ursprünglichen Nutzung die Funktion von internen Strassen, die zu den ihrerseits „hineingenommen“ Eingängen des Ökonomieteils führen – separate Aussenzugänge für Stall und Scheune gibt es beim Engadinerhaus nicht! Es sind die durch den Wohntrakt geführten Durchfahrten – der ebenerdige Sulèr zur Scheune und die im Boden vertiefte Cuort zum Stall – die das Einzigartige dieses Haustyps ausmachen.


Der speziellen Erschliessungssituation verdankt das Engadinerhaus auch eines seiner wesentlichen Erkennungsmerkmale: Die zwei – zuweilen zusammen, halbgeschossig versetzt an der Hauptfront platzierten - mächtigen Eingangstore, deren eines für beladene Heufuder bemessen ist. Charakteristisch für die Erscheinung des Engadinerhauses ist auch die so malerisch anmutende asymmetrische Anordnung der in Grösse und Form variierenden Trichterfenster innerhalb der massiven Steinfronten. Auch sie resultiert nicht aus einem gestalterischen Konzept, sondern ist vielmehr funktional bedingt; es widerspiegelt sich darin die stark differenzierte inneren Einteilung des Gebäudes.

Bewussten Gestaltungswillen hingegen manifestiert die Zier der Wandflächen. Vielfach kommt dabei – epochenabhängig stilistisch variiert – das „Sgraffito“ zur Anwendung, eine bereits im 16. Jahrhundert aus Italien nach Graubünden importierte Dekorationstechnik, bei der aus einer feuchten, mit Kalk übertünchten Putzschicht durch Schaben und Ritzen Ornamente bis auf den darunter liegenden dunkleren Grundputz freigelegt werden. Weitere typische Schmuckelemente des Engadinerhauses sind kleine Erker und geschmiedete Fenstergitter. Sie vermögen die wuchtige Körperlichkeit des Gesamtbaus durch ein filigranes Moment zu akzenturieren. (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: KÖNZ IACHEN ULRICH: Das Engadinerhaus (Schweizer Heimatbücher 191), Bern 1994 (4., überarb. Aufl.).
KÖNZ IACHEN ULRICH, WIDMER EDUARD: Sgraffito im Engadin und Bergell, Zürich 1977.
SIMONETT CHRISTOPH: Die Bauernhäuser des Kantons Graubünden (Die Bauernhäuser der Schweiz, Bde. 1 und 2), hrsg. von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, 2 Bde., Basel 1965 und 1968.

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Barockkirchen

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Nach den Unsicherheiten der Reformation erlebte der katholische Sakralbau im 17. Jahrhundert einen ähnlichen Aufschwung wie zur Zeit der Spätgotik. Die seinerzeit errichteten hochbarocken Kirchen standen mit ihrem noch nie dagewesenen Prunk im Dienste der Gegenreformation. Die neue Architektur fan...

Nach den Unsicherheiten der Reformation erlebte der katholische Sakralbau im 17. Jahrhundert einen ähnlichen Aufschwung wie zur Zeit der Spätgotik. Die seinerzeit errichteten hochbarocken Kirchen standen mit ihrem noch nie dagewesenen Prunk im Dienste der Gegenreformation. Die neue Architektur fand aber auch an einigen protestantischen Orten Eingang.

Mit dem Aufkommen der Reformation war es jeder Gemeinde des Dreibündenstaates freigestellt, das neue Bekenntnis anzunehmen oder nicht. Der von innen- und aussenpolitischen Spannungen («Bündner Wirren» 1618-1642) gefolgte Prozess der Glaubensspaltung dauerte bis um 1610 an; am Ende stand jene konfessionell zerklüftete Landschaft, die Graubünden noch heute eigen ist.

Nach Wiederherstellung des Friedens stieg die lange Zeit lahm gelegte sakrale Bautätigkeit sprunghaft wieder an, zumal in den weitestgehend katholisch gebliebenen oder rekatholisierten Landesteilen wie dem Puschlav, dem Moesano, dem Oberland und dem unteren Albulatal. Ein Grossteil der dort bestehenden Kirchenbauten wurde von einem Modernisierungsschub im Stile des Hochbarocks erfasst – sei es durch Neuausstattung, Neubau oder Renovation. Auch entstanden neue Grossbauten, vor allem aber zahlreiche klein(st)e Kapellen, selbst an den entlegensten Orten.

Schrittmacher dieser gegenreformatorischen Bewegung, die der Regeneration der katholischen Kirche Ausdruck verleihen sollte, waren oberitalienische Kapuzinerpatres, die in vielen katholischen Gemeinden den Pfarrdienst übernahmen. Entsprechend ist den meisten barocken Baumassnahmen auch ein italienisches Gepräge eigen, wenn auch für die bedeutendste und grösste Schöpfung jener Epoche, die Stiftskirche von Disentis, die Vorarlberger Bauschule verantwortlich zeichnet.

Anders als die spätgotischen Gemeindekirchen folgen die hochbarocken Sakralbauten keinem uniformen Bauschema: Anlagen in Form eines lateinischen Kreuzes mit Mönchschor und Seitenkapellen, vorbildhaft realisiert in der Pfarrkirche zu Tiefencastel, finden sich ebenso wie dem Zentralbau-Gedanken verpflichtete Gebäude, repräsentiert etwa in der Pfarrkirche zu Rhäzüns. Mit ihren glatt verputzen und weiss gekalkten Fronten, ihren teils zu eigentlichen Schauseiten mit Pilastern und Gesimsen ausgebildeten Hauptfassaden, ihren von polygonalen Glockenstuben mit geschweiften Hauben bekrönten, bunt bemalten Türmen setzten sie in jedem Fall neuartige Blickpunkte in die Landschaft.

Markant anders zeigten sich nun auch die Innenräume, wo die oft von Meistern aus dem Misox geschaffene Stuckdekoration, sei sie architektonischer oder ornamentaler Art, zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Ausstattung wurde und sich die Fresken teils zu Raum auflösenden Illusionen des Himmelreichs auswuchsen. Neue Akzente setzen auch die sich zu riesigen, reich bewegten Gebilden entwickelnden, zahlenmässig stark vermehrten Altäre.

Die barocke Baueuphorie erfasste auch manche evangelische Gemeinde, wo sie teils sakrale Bauwerke von ganz eigenständigem Format hinterliess, wie etwa in Samedan: Die als Predigtraum konzipierte Dorfkirche setzte das Wesen des reformierten Gottesdienstes auf denkbar geistreiche Weise um. (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: DOSCH LUZI, WALDMANN URS: ‚Savognin und die Barockkunst der Kapuziner’, in: Savognin. Geschichte, Wirtschaft, Gemeinschaft, hrsg. von der Gemeinde Savognin, Savognin 1988, S. 203ff.
POESCHEL ERWIN: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden (Die Kunstdenkmäler der Schweiz), hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bd. 1, Basel 1937, S. 149-256.
WYSS ALFRED: ‚Protestantischer Kirchenbau in den Südtälern des Gotteshausbundes’, in: Festschrift 600 Jahre Gotteshausbund, Chur 1967, S. 489-506.

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Herrschaftshäuser und Villen

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Der regionale Zusammenhalt hatte seit dem ausgehenden Mittelalter in Graubünden unterschiedliche Hauslandschaften geformt. Das Bündner Herrschaftshaus entwickelt sich im 16./17. Jahrhundert ausgehend von den regions- und talspezifischen Bauernhausformen, vermag aber allmählich zu einer eigenstän...

Der regionale Zusammenhalt hatte seit dem ausgehenden Mittelalter in Graubünden unterschiedliche Hauslandschaften geformt. Das Bündner Herrschaftshaus entwickelt sich im 16./17. Jahrhundert ausgehend von den regions- und talspezifischen Bauernhausformen, vermag aber allmählich zu einer eigenständigen Form zu finden. Als Antwort des Bürgertums auf den Adel entwickelte sich im 19. Jahrhundert die herrschaftliche Villa.

Viele historische Ortskerne Graubündens sind geprägt von der Präsenz zumindest eines barocken Baus, der durch erkennbar stattlicheren Charakter aus dem Gefüge der bäuerlichen Bauten hervorsticht. Die oft an prominenter Stelle angebrachten Wappentafeln weisen als Bauherren dieser Häuser Vertreter jener aristokratischen Geschlechter aus, welche die Geschicke Graubündens zur Zeit des Freistaats der Drei Bünde (16.-18. Jahrhundert) lenkten. War der Dreibündenstaat formal auch demokratisch verfasst, so trug er doch in Wirklichkeit stark oligarchische Züge, indem er nämlich von einer relativ eng begrenzten Anzahl an Familien dominiert wurde.

Die breite räumliche Streuung der aristokratischen Wohnbauten über das ganze heutige Kantonsgebiet verdankt sich der dezentralen Organisation des Freistaates, wo die persönliche Verankerung in einer der rund 50 weitgehend autonomen Gemeinden die Basis einer jeden politischen Karriere bildete. Ein ansehnlicher Wohnsitz sollte das soziale Prestige der durch die Ausübung von Ämtern in den Untertanenlanden (Veltlin, Chiavenna), Solddienst und Gesandtschaften an europäischen Höfen oder auch durch Warentransit und Handel zu Reichtum gelangten Führungskräfte zum Ausdruck bringen.

Wie die frühneuzeitliche Oberschicht Graubündens an sich, zeichnen sich auch deren neue Bauten anfänglich durch eine gewisse Volksnähe aus: Ihre Beziehung zum Dorf äussert sich nicht nur in der organischen Integration in die bestehenden Siedlungsstrukturen, sondern auch im Anknüpfen an den regionalen Agrartypus. Äusserlich bescheiden und nur durch die grösseren Dimensionen, eine stärkere Betonung des Eingangsbereichs und das Verblenden allfälliger Holzteile von ihren bäuerlichen Pendants unterschieden, manifestieren sie jedoch in der immer luxuriöseren inneren Ausstattung - etwa mit wertvollen Täfelungen und gewölbten Räumen - ein zunehmendes Bemühen um eine Abgrenzung gegenüber dem bäuerlichen Gehöft. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert wird der an italienischen Palazzi orientierte Mittelkorridorbau, bei dem die Räume entlang eines - gewölbten - Flurs aufreiht sind, zum bevorzugten Modell der Bündner Aristokratie. Die oberschichtige Architektur verfeinert sich, manch aristokratischer Wohnsitz – besonders der Familie von Salis – weitet sich nun gar zum schlossartigen Anwesen aus.

Im Gefolge der gewerblichen Auswanderung entsteht im 19. Jahrhundert der Typ des dörflichen Bürgerhauses: Die klassizistischen Villen der im Ausland erfolgreichen und in ihre Heimattäler zurückgekehrten Zuckerbäcker zeugen von der immer stärkeren Rezeption internationaler Architekturströmungen im Bündner Profanbau. (Ludmila Seifert-Uherkovich)

Lit.: POESCHEL ERWIN: Das Bürgerhaus im Kanton Graubünden (Das Bürgerhaus in der Schweiz, Bde. XII, XIV, XVI), hrsg. vom Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein, 3 Bde., Zürich 1923-1925.

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Strassen und Brücken

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Der Bau von Wegen und Strassen ist eine der ältesten zivilisatorischen Aufgaben und war in Gebirgsgegenden stets mit grossen Anstrengungen verbunden. Die schwierige Topografie führte zu Aufsehen erregenden Leistungen, im Mittelalter und im 18. Jahrhundert etwa mit dem Ausbau der Viamala. Grosse We...

Der Bau von Wegen und Strassen ist eine der ältesten zivilisatorischen Aufgaben und war in Gebirgsgegenden stets mit grossen Anstrengungen verbunden. Die schwierige Topografie führte zu Aufsehen erregenden Leistungen, im Mittelalter und im 18. Jahrhundert etwa mit dem Ausbau der Viamala. Grosse Werke des frühen 19. Jahrhunderts waren die Fahrstrassen für den Transitverkehr von Norden nach Süden über den S. Bernardino und den Splügen. Im 20. Jahrhundert schloss die Nationalstrasse A 13 durch den San Bernardino-Tunnel das Tessin und das Misox an die Ostschweiz an.

Im späten 15. Jahrhundert bildete sich der nur lose organisierte, aber doch selbständige Freistaat der Drei Bünde aus. Unter dem Diktat Napoleons schloss sich das Gebiet 1803 als Kanton Graubünden der Eidgenossenschaft an. Dem Gebirgsland zwischen Deutschland und Italien kam vor allem in frühen Zeiten grosse verkehrspolitische Bedeutung zu. Transitachsen führten über den Lukmanier sowie über die zentraleren Pässe San Bernardino, Splügen, Septimer und Julier. Die Verbindungen abseits dieser Routen bestanden fast durchwegs aus Saum- oder Fusswegen. Als fahrbare Landstrassen galten noch 1807 lediglich die Strecken durch das Bergell und durch das ganze Engadin sowie die Verbindungen von Chur Richtung Ragaz und St. Luzisteig. Über die Lenzerheide, den Septimer- und den Albulapass sowie von Chur bis Splügen verkehrten bei günstiger Witterung und günstigen Verhältnissen kleine Wagen.

Der moderne Fahrstrassenbau setzt in Graubünden mit den sogenannten Kunst- oder Kommerzialstrassen ein. 1782–1788 wurde die Deutsche Strasse von der liechtensteinischen Grenze nach Chur ausgebaut, 1818–1823 die Untere Strasse über den Splügen-, bzw. den San Bernardino-Pass, und in dritter Priorität dann die Obere Strasse über Julier- und Malojapass (1820–1840). Nach der Fertigstellung der Transitrouten verfeinerte sich das Bündner Verkehrsnetz durch den Ausbau der Verbindungs- und der Kommunalstrassen.

Der Strassenbau auf der Ebene unterschied sich stets von den Trassierungen in ansteigendem Gelände. Alleen prägen noch heute die gerade, durch Dämme optimierte Linienführung der Deutschen Strasse bei Landquart und Maienfeld. Durch Geländeeinschnitte und Terrassierungen versuchten die Ingenieure der Kunststrassen über den San Bernardino (Giulio Pocobelli und Richard La Nicca) und den Splügen (Carlo Donegani), das Ideal klassizistischer Grosszügigkeit auf die engen und steilen Alpenverhältnisse zu übertragen. Prägend für die Passstrassen sind Serpentinen. Wichtige Einzelbauwerke des 19. Jahrhunderts haben sich an der Splügenstrasse mit einem neugotisch anmutenden Tunnel, der Marmorbrücke und der Lawinengalerie zwischen schweizerischem und italienischem Zoll erhalten.

Als Teil der heutigen Nationalstrasse A 13 erfuhr die San Bernardino-Route in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen nochmaligen Ausbau. Paradestück wurde nunmehr der 1967 eröffnete Strassentunnel. Breite und weit dem Gelände entlang gezogene Strassen sowie zwei Bogenbrücken des berühmten Churer Ingenieurs Christian Menn künden von der technischen Entwicklung. Von Menn stammen auch weitere Brücken im Kanton, so die Sunnibergbrücke bei Klosters – neben der Salginatobelbrücke des Pioniers Robert Maillart das zweite bedeutende Einzelmonument der Ingenieurkunst im Prättigau.

Der Brückenbau ist im Zusammenhang mit der Gegenwartsarchitektur zu einem eigenen Thema geworden. Eine grosse Rolle im Eisenbahnbau spielen die Viadukte der Rhätischen Bahn. (Leza Dosch)

Lit.: Jürg Simonett: Verkehr, Gewerbe und Industrie, in: Handbuch der Bündner Geschichte, Band 3, 19. und 20. Jahrhundert, Chur 2000, S. 61–88 (61–73); Leza Dosch: Kunst und Landschaft in Graubünden. Bilder und Bauten seit 1780, Zürich 2001, S. 69–79.

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Gast- und Kurhäuser, Hotels

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Entwicklungsgeschichtlich sind die heutigen Gasthäuser von mittelalterlichen Tavernen, Herbergen und Hospize abzuleiten. Architektonisch erreichte die Bauaufgabe nach 1860 mit dem aufkommenden Tourismus eine neue Qualität. Die Kurhäuser von Le Prese, Bad Tarasp und St. Moritz Bad wurden Vorläufe...

Entwicklungsgeschichtlich sind die heutigen Gasthäuser von mittelalterlichen Tavernen, Herbergen und Hospize abzuleiten. Architektonisch erreichte die Bauaufgabe nach 1860 mit dem aufkommenden Tourismus eine neue Qualität. Die Kurhäuser von Le Prese, Bad Tarasp und St. Moritz Bad wurden Vorläufer der mächtigen Hotelbauten der Belle Epoque vor allem im Engadin, in Davos und in Flims. Eine Sondergattung bilden die einstmals in Davos und Arosa verbreiteten Sanatorien, die der medizinischen Höhenkur dienten.

Als älteste Wirtsstube Graubündens gilt die spätgotische Trinkstube der Domherren auf dem Hof in Chur mit ihrer gewölbten Balkendecke aus dem Jahre 1522 (heute Restaurant Hofkellerei). Als sie im frühen 20. Jahrhundert renoviert wurde, setzte bald allgemein eine Wiederentdeckung altbündnerischer Gaststuben ein (Stuben in den Hotels Drei Könige, Stern und Rebleuten in Chur, Stiva Grischuna in Disentis/Mustér, Casa Fausta Capaul in Breil/Brigels, Crusch Alva in Zuoz, Chesa Veglia in St. Moritz). Die Mitte des 20. Jahrhunderts war von der Verbreitung der Cafés und Tea-Rooms in touristischen und städtischen Gebieten geprägt. Neuere gastronomische Erscheinungen sind Trends zur Pizzeria, zur Bar, zum Dancing und zum Fastfood-Restaurant, Ausnahmefälle von bestimmten Künstlern gestaltete Lokale (Giger-Bar in Chur).

Der Begriff des Kurhauses leitet sich in erster Linie von der Badekur ab, wie sie in St. Moritz schon seit frühgeschichtlicher Zeit bekannt ist. Graubünden kannte und kennt eine ganze Reihe von Bade- und Trinkkurorten. Architektonisch bedeutsame Bauten entstanden in St. Moritz, Bad Tarasp, Passugg und in der Val Sinestra im Unterengadin. Die im 19. Jahrhundert vom St. Galler Bäderspezialisten Felix Wilhelm Kubly erbauten Kurhäuser von Bad Tarasp und St. Moritz wurden zu Vorbildern für die ersten grossen Bündner Hotels. Ersteres kam abgelegen im Talkessel gegenüber der Quellfassung, in Scuol-Nairs, zu stehen, während letzteres mit grosser Geste die Innebene von St. Moritz besetzt und damit zum Ausgangspunkt einer baulichen Expansion wurde. Das Kurhaus in Le Prese bot Kuren mit Schwefelwasser an. Eindrücklich sind die vornehme klassizistische Architektur und die idyllische Lage mit Park und kleinem Hafen am Lago di Poschiavo. In neuerer Zeit ist die Therme von Peter Zumthor in Vals wegen ihrer Architektur international bekannt geworden.

An den Hotelpalästen im Oberengadin lassen sich stilistische und typologische Entwicklungen verfolgen. Besitzt das Bernina in Samedan noch den spröden Charme des späten Klassizismus, so äusserte sich in den Kuppeln des Palace in Maloja und des einstigen Grand Hotels in St. Moritz das Pathos der Belle Epoque. Beim Kronenhof in Pontresina, dessen Dreiflügelanlage einen herrschaftlichen Akzent in die Dorfstruktur setzt, ist das Kuppelmotiv auch heute noch nobles Kennzeichen. Idealen der Burgenromantik folgen Anlagen wie das Palace in St. Moritz, das Waldhaus in Sils Maria und das Castell in Zuoz. Berühmte Vertreter des Heimatstils wurden das La Margna, das Suvrettahouse und das Carlton in St. Moritz.

Sachliche Auffassungen schienen bei Hotels der klassischen Moderne und bei Sanatorien angebracht. In Arosa entstand um 1930 eine kleine Gruppe der Ästhetik einer geometrischen Reduktion verpflichteter Hotelbauten (Post, Isla, Mittelbau Hof Maran, Hohenfels, Haus Lamm). In Davos dominierten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Lungensanatorien. Mit ihren Flachdächern und Liegebalkonen verliehen sie dem Ort ein städtisches Gepräge. (Leza Dosch)

Lit.: Isabelle Rucki: Das Hotel in den Alpen. Die Geschichte der Oberengadiner Hotelarchitektur von 1860 bis 1914, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, ETH Zürich, Zürich 1989. – Roland Flückiger-Seiler: Hotelpaläste zwischen Traum und Wirklichkeit. Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830–1920, Baden 2003.

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Siedlungsbau

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Städte, Dörfer und Weiler stellt man sich in Graubünden als über Jahrhunderte gewachsene Strukturen vor. Einen gewissen Planungscharakter hatten die Siedlungsvorhaben der im 13./14. Jahrhundert eingewanderten Walser. Feuersbrünste und Naturkatastrophen des 19. Jahrhunderts riefen im ganzen Kant...

Städte, Dörfer und Weiler stellt man sich in Graubünden als über Jahrhunderte gewachsene Strukturen vor. Einen gewissen Planungscharakter hatten die Siedlungsvorhaben der im 13./14. Jahrhundert eingewanderten Walser. Feuersbrünste und Naturkatastrophen des 19. Jahrhunderts riefen im ganzen Kanton nach einem systematischen Wiederauf- und Neubau von Dörfern und Dorfteilen. Auf halbprivater und privater Basis entstanden im Chur des 20. Jahrhunderts die Überbauungen der Unteren und Oberen Quader vor den Toren der Altstadt und des Lacuna-Quartiers in den Rheinwiesen.

Viele Siedlungsformen Graubündens, vor allem Höfe und Weiler, gehen auf die grösste Landnahme des Mittelalters im 12. und 13. Jahrhundert zurück. Damals wurden in Seitentälern und Höhenlagen grossflächig Wälder gerodet. Es war dies die Zeit des aufblühenden Transitverkehrs, des beginnenden Bergbaus, des Burgenbaus, der Kolonisation durch Prämonstratensermönche und der beginnenden Einwanderung der Walser. Der Ausbau der Dörfer und der wenigen Städte verlief kontinuierlich. Ursachen von Zerstörungen waren bis im 17. Jahrhundert kriegerische Ereignisse, danach unbeabsichtigte Feuersbrünste. Die während des Schwabenkrieges von 1499 im Unterengadin und während des Dreissigjährigen Krieges (1618–1648) im Unterengadin und im Prättigau von österreichischen Soldaten niedergebrannten Häuser und Ställe wurden mehr oder weniger innerhalb der bestehenden Strukturen instandgestellt. Die berüchtigten Dorfbrände des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts hatten Diskussionen über den Wiederaufbau zur Folge. Nach dem Vorbild von Glarus favorisierten die Kantonsbehörden orthogonale Anordnungen und hoben feuerpolizeiliche, hygienische und verkehrstechnische Aspekte hervor. Lavin folgte diesen Vorgaben, während Zernez aus ökonomischen Gründen darauf bestand, neue Häuser über bestehenden Strukturen errichten zu dürfen. Markante Plansiedlungen des 19. Jahrhunderts wurden neben Lavin Neu-Felsberg, Thusis und Seewis im Prättigau. Im Zeichen des Heimatschutzes setzten sich später in Sent und in Susch malerische, organisch anmutende Gestaltungen durch.

Einzige etwas grössere Stadt Graubündens ist Chur. Hier lassen sich Wachstumsringe seit dem Ausgreifen der Siedlung über die Mauern der Altstadt hinaus ablesen. Entlang der Grabenstrasse reihen sich vornehme private und staatliche Gebäude des mittleren und späten 19. Jahrhunderts auf. Im frühen 20. Jahrhundert konnten die Architekten Otto Schäfer & Martin Risch in Chur Städtebau in grossem Stil betreiben. Folgt die Obere Quader mit dem Quaderplatz axialen Vorstellungen, so bemühten sich die Bebauungspläne für die Untere Quader im Bereich des Ottoplatzes und für die Genossenschaftssiedlung Stampagarten um eine dörflich-organische Wirkung. Die in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts von den Architekten Thomas und Thomas Domenig realisierte Churer Siedlung Lacuna ist eine der grössten Hochhaussiedlungen der Schweiz. Eine gewisse Autonomie wurde durch den Einbezug eines Schulhauses und eines Kindergartens sowie von Läden und Dienstleistungsbetrieben erreicht. (Leza Dosch)

Lit.: Martin Bundi: Zur Besiedlungs- und Wirtschaftsgeschichte Graubündens im Mittelalter, Chur 1989 (2. Aufl.). – Leza Dosch: Kunst und Landschaft in Graubünden. Bilder und Bauten seit 1780, Zürich 2001.

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Plätze, Gärten und Parks

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Die Plätze der alten Bündner Dörfer sind meistens einfache, durch Brunnen ausgezeichnete Erweiterungen von Wegen und Strassen oder nicht überbaute Grundstücke. Bewusst geplante Plätze findet man am ehesten in urbaneren, Parkanlagen auch in touristischen Siedlungen. Von grosser Bedeutung sind d...

Die Plätze der alten Bündner Dörfer sind meistens einfache, durch Brunnen ausgezeichnete Erweiterungen von Wegen und Strassen oder nicht überbaute Grundstücke. Bewusst geplante Plätze findet man am ehesten in urbaneren, Parkanlagen auch in touristischen Siedlungen. Von grosser Bedeutung sind die parkartig gestalteten Friedhöfe und die privaten Gärten. Haus und Garten bilden etwa bei herrschaftlichen Anwesen des Barock eine Einheit.

Bekannte alte Dorfplätze sind jene von Zuoz im Oberengadin und Valendas in der Surselva. Ersterer zeichnet sich durch die Weite, das ansteigende Gelände und die Plantahäuser aus, letzterer durch die Anordnung an einer Strassenbiegung und die kulissenartige Staffelung zum Türelihus hin. Zentrale Ausstattungselemente sind in beiden Fällen die Brunnen. Im urbaneren Kontext sind der Hof in Chur mit den ihn umstehenden Domherrenhäusern, der Stadtplatz von Maienfeld mit dem barocken Sprecherhaus und die herrschaftliche Piazza im Borgo von Poschiavo hervorzuheben. Eine eigene Gruppe bilden politisch relevante Stätten wie der Ahorn neben der St. Annakapelle in Trun, Gründungsort des Grauen Bundes, oder der Ort der legendären Vereinigung der Drei Bünde in Vazerol (Brienz/Brinzauls). Die Landsgemeinde der Cadi (cumin) fand in Disentis auf der Wiese direkt unterhalb des Klosters statt. Die immer noch bestehende Landsgemeinde des Schanfigg (Bsatzig) in St. Peter wurde früher auf der «Quadera», einer Wiese neben der Kirche, durchgeführt. Von Bauten des 19. Jahrhunderts ist der am Eingang zur Altstadt angelegte Landsgemeindeplatz von Ilanz geprägt.

Dem Verzicht, 1829 abgebrannte Häuser wiederaufzubauen, verdankt der Regierungsplatz inmitten der Churer Altstadt seine Existenz. Nach den Dorfbränden von 1869, bzw. 1872, erhielten Lavin und Zernez grosszügige, von vornehmen Häusern gesäumte Plätze (Plazza gronda, bzw. Plaz). Städtebauliches Rückgrat von Davos ist die langgezogene Promenade; dies erübrigte zentralisierende Plätze. Ähnlich stellt sich die Situation in Scuol mit dem Stradun dar. Innerhalb des konzentrisch angelegten Chur hingegen bündeln sich Strassen immer wieder zu Plätzen. Hauptpunkt wäre eigentlich der Postplatz am Eingang zur Altstadt, der seine Fläche fast vollständig an den motorisierten Verkehr verlor. Der neue Bahnhofplatz wird vor allem als Bahnhof für die Arosabahn und den Stadtbus genutzt. Den Versuch, eine dem Passanten und der Passantin gewidmete Platzkultur wiederaufleben zu lassen, stellt der 2006 geschaffene Theaterplatz dar.

Eine für das alpine Graubünden beachtliche barocke Gartenkultur entfaltete sich bei herrschaftlichen Wohnbauten im Bergell, im Domleschg, in Chur und in der Herrschaft. Parkanlagen lassen sich hierzulande auf baumbestandene Friedhöfe zurückführen. Im Kontext des Tourismus erhielt der Typus des Parks eine neue Bedeutung als Hotel- und Kurpark. Den Parkanlagen lässt sich auch der grossartige Churer Quaderplatz zuordnen – eine baumbestandene Wiese. (Leza Dosch)

Lit.: Brigitt Sigel, Catherine Waeber und Katharina Medici-Mall (Hg.): Nutzen und Zierde. Fünfzig historische Gärten in der Schweiz, Zürich 2006.

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Rhätische Bahn

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Die 1890 eröffnete Eisenbahnlinie von Landquart nach Davos wurde zum Ausgangspunkt eines der grössten Schmalspurnetze der Welt, das verschiedene Haupttäler Graubündens erschliesst. Spektakulär sind Linienführung, Viadukte und Kehrtunnels der Albulabahn, die zusammen mit der Berninabahn eine tr...

Die 1890 eröffnete Eisenbahnlinie von Landquart nach Davos wurde zum Ausgangspunkt eines der grössten Schmalspurnetze der Welt, das verschiedene Haupttäler Graubündens erschliesst. Spektakulär sind Linienführung, Viadukte und Kehrtunnels der Albulabahn, die zusammen mit der Berninabahn eine transalpine Verbindung schafft. Unter den Bahnhofbauten tritt architekturgeschichtlich die in einem regionalen Heimatstil gehaltene Gruppe der 1910er und 1920er Jahre hervor.

1898–1904 wurde die Albulalinie zwischen Thusis und St. Moritz gebaut. Die legendären Schleifen und Kehrtunnels im Abschnitt von Bergün bis Preda dienen der künstlichen Linienverlängerung, mit der die Steigungen auf 35 Promille begrenzt werden konnten. Erstmals in der Schweiz wurden die Brücken einer Bahnlinie fast ausschliesslich aus Natursteinen gebaut. Linienführung und steinerne Brückenbauten störten die Landschaft nicht, meinte damals die Zeitschrift «Heimatschutz», sie belebten und bereicherten sie vielmehr. Der Entscheid zugunsten des Steins war nicht nur ästhetisch, sondern auch praktisch begründet. Das Material war an Ort vorhanden; die grosse Masse des Bauwerks trug die Verkehrslasten ohne Probleme. Die berühmtesten Brückenkonstruktionen der Albulabahn sind der weitgespannte Soliser Viadukt (Spannweite 42 m, Höhe 85 m) und der in einer Kurve geführte Landwasser-Viadukt bei Filisur (Spannweiten sechsmal 20 m, Höhe 65 m) mit den elegant sich nach oben verjüngenden Pfeilern. Auf dem Scheitel der Strecke, zwischen Preda und Spinas, liegt der 5,8 km lange Albulatunnel. Die Portale zeigen in Renaissance-Tradition Natursteinmauerwerk mit bossierten Rahmungen. Die Berninabahn zwischen St. Moritz und dem italienischen Tirano wurde 1910 eröffnet. Ihr einprägsamster Kunstbau ist der Kreisviadukt von Brusio – auch er dient der Trasseeverlängerung.

Von den Kunstbauten der Ingenieure sind die Hochbauten der Zimmerleute, Baumeister und Architekten zu unterscheiden. Bei den ersten Bahnstrecken der Rhätischen Bahn bildete man diese sehr einfach aus. Aufnahmegebäude in Holz waren in Gegenden des Holzschlags billig, passten in den Chalet-Boom jener Zeit und konnten als Anlehnung an die bäuerlichen Strickbauten der Region interpretiert werden. Abgesehen von Spinas entstanden die Aufnahmegebäude der Albulabahn im Engadin in spätklassizistischem Massivbau. Markante Beispiele des Heimatstils wurden kurz vor dem Ersten Weltkrieg zwischen Ilanz und Disentis, Bever und Scuol sowie Chur und Arosa ausgeführt. In den 1920er Jahren schuf Nicolaus Hartmann eine von der Gebirgslandschaft mit ihren Alp- und Berghütten inspirierte Steinarchitektur (Alp Grüm, Bernina Hospiz). Städtische Italianità prägt dagegen das in Formen des Liberty und der Art deco gehaltene Aufnahmegebäude in Tirano (1927). (Leza Dosch)

Lit.: Luzi [Leza] Dosch: Die Bauten der Rhätischen Bahn. Geschichte einer Architektur von 1889 bis 1949, Chur 1984. – Leza Dosch: Kunst und Landschaft in Graubünden. Bilder und Bauten seit 1780, Zürich 2001, S. 182–195.

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Regionalismus

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Die Wiederentdeckung des Sgraffito und des Engadinerhauses vom späten 19. Jahrhundert an kündet von einem neuerwachten Interesse an der lokalen und regionalen Architektur. 1905 entstand die Bündnerische Vereinigung für Heimatschutz, die eine heimatliche Bauweise propagierte und einflussreiche Ar...

Die Wiederentdeckung des Sgraffito und des Engadinerhauses vom späten 19. Jahrhundert an kündet von einem neuerwachten Interesse an der lokalen und regionalen Architektur. 1905 entstand die Bündnerische Vereinigung für Heimatschutz, die eine heimatliche Bauweise propagierte und einflussreiche Architekten um sich scharte. Ein freierer Umgang mit Vorbildern der Umgebung ist im Regionalismus der Nachkriegszeit zu beobachten.

Der Begriff des Regionalismus berührt die grosse Frage nach den spezifischen kulturellen Leistungen innerhalb geografischer Räume. Der architektonische Regionalismus interessiert sich bewusst für das Bauen in der Gesellschaft einer bestimmten Gegend. Dies im Unterschied zur regionalen Architektur früherer Zeiten, als es kaum Wahlmöglichkeiten gab. Die Mangelwirtschaft legte eine Fortsetzung eingeübter Techniken und die Verwendung an Ort vorhandener Materialien nahe. In erster Linie waren praktische Anforderungen zu erfüllen. Damit entfiel weitgehend auch der kulturelle Anspruch auf Innovation. Der fehlende Zwang, sich pointiert von der Tradition und der Umgebung abheben zu müssen, führte zu den geschlossenen Ortsbildern alter Dörfer und Städte, die im Rückblick allgemein so hoch geschätzt werden.

Nachdem der Historismus des 19. Jahrhunderts die akademische Kunstgeschichte als Entwurfsvorlage verwendet und Stil um Stil noch einmal durchgespielt hatte, suchte er im Vernakulären, der sozusagen unverdorbenen bäuerlichen Bauweise, nach neuen Quellen. Erste Station dieses Weges war die Propagierung des Holzhauses aus dem Berner Oberland als Swiss Chalet. Elemente aus dem eigenen Kanton flossen in Graubünden bereits im späten 19. Jahrhundert in die Architektur ein. Der Bündner Heimatschutz argumentierte in erster Linie nicht national, sondern regional. In St. Moritz arbeitete Nicolaus Hartmann, der neben anderen Bezugspunkten Formen alter Engadinerhäuser aufnahm. Diese wurden verschiedentlich zum Inbegriff nicht nur des Engadinischen, sondern auch des Bündnerischen. Mit seinen Anklängen an die Bauweise der mittelalterlichen Altstadt und des herrschaftlichen Barock setzte das Churer Büro von Otto Schäfer und Martin Risch den Akzent eher auf allgemein Heimatliches und Traditionelles als auf bestimmte Gegenden.

Eine zweite wichtige Phase erlebte das Phänomen des Regionalismus in der Nachkriegszeit, als Architekten wie Iachen Ulrich Könz, Bruno Giacometti und Rudolf Olgiati in unterschiedlicher Weise Ansätze regionaler Bauweise in ihr Werk einfliessen liessen. Einzelbeispiele stammen zudem von Pierre Zoelly und Robert Obrist. In der Gegenwartsarchitektur verlagerte sich die Diskussion von der schwer fass- und begrenzbaren Region auf den konkreten Ort in seiner Alltäglichkeit und Erhabenheit. Damit wurde auch Raum für das Individuelle geschaffen. Zeichen einer Architektur, die bewusst und offen auf den Ort reagiert, wurde die Kapelle Sogn Benedetg von Peter Zumthor oberhalb von Sumvitg. (Leza Dosch)

Lit.: Friedrich Achleitner: Region, ein Konstrukt? Regionalismus, eine Pleite? Basel/Boston/Berlin 1997. – Leza Dosch: Heimatstil und Regionalismus. Zur Diskussion über zwei architekturgeschichtliche Begriffe, in: Bündner Monatsblatt, 2005, Nr. 5, S. 491–520.

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Kraftwerkbauten

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Erstes grosses Wasserkraftwerk Graubündens ist jenes von Campocologno der Kraftwerke Brusio AG, das 1907 den Betrieb aufnahm. Die offen verlegten Druckleitungen von Campocologno, aber auch jene der Zentrale Küblis der AG Bündner Kraftwerke (1922) griffen massiv ins Landschaftsbild ein. Frühe Ver...

Erstes grosses Wasserkraftwerk Graubündens ist jenes von Campocologno der Kraftwerke Brusio AG, das 1907 den Betrieb aufnahm. Die offen verlegten Druckleitungen von Campocologno, aber auch jene der Zentrale Küblis der AG Bündner Kraftwerke (1922) griffen massiv ins Landschaftsbild ein. Frühe Versuche, die bei Stauseen unvermeidlichen Dämme mit Bruchsteinen zu verkleiden oder als Erddämme der Umgebung anzupassen, wurden in den fünfziger und sechziger Jahren von der Auffassung eingeholt, unkaschierte Betonmauern entfalteten als kühne Ingenieurbauwerke ihre eigene ästhetische Wirkung.

Neben den Strassen- und Bahnbauten stellen die Wasserkraftwerke zur Gewinnung elektrischer Energie die grössten Bauvorhaben der Alpenländer dar. Entsprechend umstritten sind jeweils die einzelnen Projekte. Finanziellen Überlegungen stehen Anliegen der Landwirtschaft und des Landschaftsschutzes gegenüber, Ökonomie und Ökologie stossen bei diesem Thema fast unversöhnlich aufeinander. Die Kraftwerke Brusio AG (heute Rätia Energie) galten zur Zeit ihrer Erbauung als bedeutendste hydroelektrische Anlage des europäischen Kontinents. Grosser Wasserspeicher war ein natürlicher See, der Lago di Poschiavo. Sechs parallel und offen geführte Druckrohrleitungen liefen vom Wasserschloss auf Monte Scala auf die Zentrale in Campocologno zu. Rohre und Zentrale hatte man ohne Rücksichten auf malerische Wirkung als Zweckbauten in die Landschaft gesetzt. Ähnlich nüchtern liess die gleiche Gesellschaft die eisernen Tragmasten ihrer 1927 vollendeten Freileitung platzieren. Nur wenige Jahre später wurden die hohen Gittermasten von Freileitungen von Heimatschutzkreisen allgemein bekämpft.

Eine weitere frühe Grossanlage ist das Albulawerk des Elektrizitätswerkes der Stadt Zürich. Der Fluss wurde durch ein Wehr unterhalb von Tiefencastel gestaut. Mit der architektonischen Gestaltung der Zentrale in Sils im Domleschg (1907–1910) betraute man ETH-Professor Gustav Gull. Nicolaus Hartmann stieg zum massgebenden Architekten des Bündner Kraftwerkbaus der Zwischenkriegszeit auf. Er erhielt den Auftrag für beinahe alle Hochbauten der AG Bündner Kraftwerke (heute ebenfalls Rätia Energie) im Prättigau und konnte 1927 unweit der Berninabahn die Zentralen Palü und Cavaglia der Kraftwerke Brusio AG realisieren. Mit der klassischen Moderne setzte sich in den zwanziger Jahren in schweizerischen Fachkreisen die etwas vereinfachende Meinung durch, ein guter Bau passe in jede Landschaft. Damit unterblieb die Diskussion, inwieweit ein Bau seine gestalterischen Qualitäten gerade auch aus dem Bezug zur Umgebung schöpft. Grosse Stauseen entstanden in den fünfziger und sechziger Jahren in Zervreila im Valsertal, auf der Alp Albigna im Bergell, in Nalps und Curnera im Tujetsch, in Sta. Maria am Lukmanier sowie fast vollständig auf italienischem Gebiet im Valle di Lei und im Valle di Livigno. Zweifellos spektakulärste Anlage ist die Schwergewichtsmauer von Albigna, die hoch über dem Tal als Betonriegel zwischen den Felsen aufscheint. (Leza Dosch)

Lit.: Conradin Clavuot und Jürg Ragettli: Die Kraftwerkbauten im Kanton Graubünden, Chur 1991. – Hansjürg Gredig und Walter Willi: Unter Strom. Wasserkraftwerke und Elektrifizierung in Graubünden 1879–2000, Chur 2006.

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Moderne

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Unter dem Begriff der Moderne werden hier verschiedene Strömungen zusammengefasst, die ihren Ursprung mehr oder weniger eng im Rationalismus und Funktionalismus der 1920er und 1930er Jahre haben. Das sogenannte Neue Bauen jener Zeit war Avantgarde. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde seine...

Unter dem Begriff der Moderne werden hier verschiedene Strömungen zusammengefasst, die ihren Ursprung mehr oder weniger eng im Rationalismus und Funktionalismus der 1920er und 1930er Jahre haben. Das sogenannte Neue Bauen jener Zeit war Avantgarde. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde seine vereinfachte Formensprache zum Allgemeingut – vielfach mit beachtlichen Leistungen.

Prägender Bündner Architekt der klassischen Moderne der Zwischenkriegszeit war Rudolf Gaberel (1882–1963). In Davos ansässig, konnte er dort seine Vorstellungen in grossem Umfang verwirklichen. Er entwickelte das unterlüftete Flachdach weiter, bei dem das Regen- und Schmelzwasser zentral im Hausinnern abgeleitet wird, und propagierte es als ideale Dachform für das Hochgebirgsklima. Dieses System war in Davos bereits um 1900 beim Sanatorium Schatzalp eingeführt worden. Unterlüftetes Flachdach und integrierte, stützenlos durchlaufende Liegebalkone wurden zum Wahrzeichen des Davoser Ortsbildes. Im Bestreben nach einer funktionalen und hygienischen Architektur konnte Gaberel in kurzer Zeit eine ganze Reihe bestehender Gebäude umbauen, darunter auch das Rathaus. Davos wurde zur modernen Alpenstadt, von 1961 an gar mit Flachdachvorschrift für die Kernzone. Wichtige, noch bestehende Neubauten Gaberels in Davos sind die Arzthäuser der Basler Höhenklinik und der Thurgauisch-Schaffhausischen Heilstätte sowie das Zweifamilienhaus an der Tanzbühlstrasse 6. Weitere Vertreter des Neuen Bauens in Graubünden waren unter anderen in Chur die Gebrüder Emil und Walther Sulser, in Arosa die Gebrüder Georg und Peter Brunold sowie Jakob Licht.

Noch wenig bekannt ist die Architektur der Nachkriegsmoderne, deren Ausläufer bis in die achtziger Jahre hinein reichen. Die Verbreitung der Formen des Neuen Bauens durch grosse Planungsbüros und Generalunternehmen hatte eine Verflachung und Banalisierung der ästhetischen und sozialen Ideale zur Folge. Und doch gibt es auch in Graubünden Werke aus jener Zeit, deren Feingliedrigkeit und Eleganz sich wohltuend vom touristischen Rustikalismus des Erst- und Zweitwohnungsbaus abhebt. Bedeutende Beispiele sind das ehemalige Bündner Lehrerseminar von Andres Liesch und das Haus Zinsli von Paul Gredinger in Chur sowie das Schulhaus von Max Kasper in Castaneda. Rechnet man nicht nur rationale Tendenzen zur Moderne, ist auch auf die skulpturale Sichtbetonarchitektur hinzuweisen. Beispiele sind hier das Konvikt der Bündner Kantonsschule (Otto Glaus, Ruedi Lienhard und Sep Marti) und die katholische Heiligkreuzkirche des Architekten und Bildhauers Walter M. Förderer in Chur. Bei den an verschiedenen Orten in der Schweiz und in Deutschland entstandenen Kirchenbauten Förderers wurde Betonarchitektur zur begehbaren Plastik. (Leza Dosch)

Lit.: Christof Kübler: Wider den hermetischen Zauber – Rationalistische Erneuerung alpiner Architektur um 1930. Rudolf Gaberel und Davos, Chur 1997.

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Kleinarchitektur

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Kleinbauten sind so etwas wie die Kammermusik der Architektur. Bei ihnen ist alles auf das Wesentliche reduziert, vielfach erscheinen sie wie Modelle für Grösseres. Diskrete Akzente setzen in ihrer Umgebung unter anderem Brunnen, Denkmäler, Pavillons, Gartenhäuser, Wingerthäuser und Torbauten.<...

Kleinbauten sind so etwas wie die Kammermusik der Architektur. Bei ihnen ist alles auf das Wesentliche reduziert, vielfach erscheinen sie wie Modelle für Grösseres. Diskrete Akzente setzen in ihrer Umgebung unter anderem Brunnen, Denkmäler, Pavillons, Gartenhäuser, Wingerthäuser und Torbauten.

Als Kleinarchitektur können bereits Ausstattungselemente in Kirchen wie Taufsteine, Sakramentshäuser und Altäre angesprochen werden.
Aber auch sakrale und profane Möbel sind vielfach nach architektonischen Motiven gestaltet. Ein schönes Kapitel kleiner, selbständiger Gebäude stellen die barocken Wingerthäuser dar, wie sie sich in Chur auf einstigen oder immer noch bestehenden Rebgeländen erhalten haben (Beispiel: Calunaweg 8). Es sind dies zweigeschossige Einraumanlagen, die der Geselligkeit, den Taglöhnern der Weinernte offenbar aber auch als Unterkunft dienten. Die etwas grösseren und unregelmässigeren Torkel hatten den Trottbaum aufzunehmen. Berühmtestes Bündner Gartenhaus ist jenes mit Kreuzfirst und geschweiften Giebeln, das die Gebrüder Johannes Gaudenz und Christoffel Schmid von Grüneck 1710 vor den Toren von Ilanz erstellen liessen. Auch in diesem Fall handelt es sich um eine Einraumanlage.

Als wirkliches Modell für einen grösseren Bau war die hölzerne Rotunde hinter dem Wohnhaus Giovanni Segantinis in Maloja gedacht. Sie sollte das geplante Engadiner Panorama für die Pariser Weltausstellung 1900 aufnehmen und wurde dann vom Maler hauptsächlich als Bibliothek genutzt. Zur Gattung der Pavillons kann man die ehemaligen Trinkhallen der Kurhäuser von St. Moritz, Tarasp und Passugg, aber auch die spätklassizistische Friedhofshalle von Roveredo zählen. Ein Sportgebäude war der Eisbahn- und Golfpavillon des Hotels Kulm in St. Moritz, der verschiedene Stile des frühen 20. Jahrhunderts aufnimmt und Reliefs mit Sportemblemen aufweist. Den Eingang zu einem bestimmten Gelände markieren der Torbau von Schäfer & Risch auf dem Churer Quaderplatz und jener Nicolaus Hartmanns im Davoser Kurpark.

Brunnen sind innerhalb der Kleinarchitektur die verbreitetste Gattung. Die alten Brunnen im ländlichen Raum waren ganz auf ihre Funktion als Tränke- und Waschbrunnen begrenzt und fielen allenfalls durch ein schützendes, hölzernes Dach auf (Borgonovo, Luven). In städtischen Gebieten wurden die Brunnen reich mit Reliefs und Freiplastiken verziert. Blütezeit dieser Praxis ist das 16. bis 18. Jahrhundert, wichtiges Beispiel der Martinsbrunnen in Chur (Brunnenstock 1910 durch Kopie ersetzt). Mit dem Heimatstil des frühen 20. Jahrhunderts avancierte der Bildhauer Wilhelm Schwerzmann zum profiliertesten Brunnengestalter im Kanton. Denkmäler wurden im republikanischen Graubünden nur selten aufgestellt. Zu den wenigen Beispielen, die über eine Gedenktafel hinausgehen, gehören das Salis-, das Vazerol- und das Fontanadenkmal in Chur sowie das Denkmal für die Prättigauer Freiheits- und Glaubenskämpfer von 1622 in Seewis. (Leza Dosch)

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Übrige Bauten und Werke

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Die hier angeführten Rubriken vermögen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem baulichen und künstlerischen Ganzen zu geben. Eigens hinzuweisen wäre noch auf Kirchenbauten weiterer Epochen, auf Schulhäuser, Rathäuser, Gewerbe- und Industriebauten sowie auf Ausstattungsselemente wie Täfer, Wandma...

Die hier angeführten Rubriken vermögen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem baulichen und künstlerischen Ganzen zu geben. Eigens hinzuweisen wäre noch auf Kirchenbauten weiterer Epochen, auf Schulhäuser, Rathäuser, Gewerbe- und Industriebauten sowie auf Ausstattungsselemente wie Täfer, Wandmalereien und Skulpturen.

Bei der Auswahl der Rubriken wurde darauf geachtet, eine möglichst repräsentative Mischung verschiedener Themen zu bieten. Dies soll zu einer vertieften Auseinandersetzung anregen. Einzelne Epochen wechseln bei diesem Aufbau mit künstlerischen Tendenzen, Kurzbiografien von Gestaltern und Baugattungen ab. Die Akzente sind so gesetzt, dass das, was die Bündner Kunstlandschaft von anderen Architektur- und Kunsträumen unterscheidet, deutlich wird. Titel wie «Karolingik» oder «Moderne» weisen auf die Einbettung in die allgemeine europäische Kunstgeschichte, «Strassen und Brücken» und «Kraftwerkbauten» bereits auf eine spezifischere Gebirgstopografie hin. «Waltensburger Meister», «Hans Ardüser», «Engadinerhaus» und «Rhätische Bahn» schliesslich sind eigentliche Bündner Themen. Unter «Regionalismus» wird über die bauliche Identität des Kantons nachgedacht.

Auch unter den Objekten, die nicht eigenen Rubriken zugeordnet sind, finden sich wichtige Beiträge zur Architektur- und Kunstgeschichte. Der prähistorische Steinwall bei Guarda stellt eine vielleicht eisenzeitliche Befestigungsstruktur dar. Der Aufbewahrung verderblicher Lebensmittel dienten die archaisch mit falschem Gewölbe konstruierten «crott» im Puschlav, Orte der Geselligkeit wurden die von Kastanienbäumen umgebenen Weinkeller («Grotti», «Crotti») in Cama und in Promontogno. Die Acla Serlas in der Val Chamuera ist das herrschaftlichste Beispiel einer Maiensäss-Anlage. Mühlen bereiteten Industrieanlagen des 19. Jahrhunderts vor. Unter den Wohnhäusern stellen kirchliche Beispiele wie Hospize und Klöster, in Chur die Domherrenhäuser und das Bischöfliche Schloss, interessante Sonderformen dar. Zur Gattung der Wandmalerei gehören die Bilder der Verkehrten Welt in der Hasenstube des Churer Bärenlochs und die biblischen Szenen aus den 1960er Jahren an der Casa Aperta in Fürstenaubruck. Hervorragendes plastisches Werk der Frühgotik ist die Heiliggrab-Gruppe im Beinhaus von St. Johannes Baptista in Domat/Ems.

Der Blick wäre aber auch auf die Entwicklung der Schulhäuser, der wenigen historischen Rat- und Zunfthäuser sowie der Diasporakirchen in den Tourismusorten zu richten. Spezialfälle sind heute als Museen genutzte Objekte wie das Nietzsche-Haus in Sils Maria, das Mili Weber-Haus in St. Moritz und das Festungsmuseum Crestawald in Sufers. Einzigartigkeit kommt aber auch dem Kirchhügel von Schmitten mit seinen barocken Kreuzwegkapellen und dem Haus Rosales in Andeer zu. Der in jenem Haus versteckte Eisenschmelzofen sollte die italienische Freiheitsbewegung Giuseppe Mazzinis mit Waffen versorgen. (Leza Dosch)

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